Ein Washingtoner Meisterstück: McMasters MSC-Rede (mit realitätsnahen Ergänzungen)

Die jüngst bei der Münchner Sicherheitskonferenz gehaltene Rede des Nationalen Sicherheitsberaters der Vereinigten Staaten, Raymond McMaster, war ein absolutes Meisterstück an Scheinheiligkeit, Doppelmoral und politischer Unaufrichtigkeit.

von Rainer Rupp

In seiner Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC, auch Siko) vor gut einer Woche argumentierte der Chef-Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump in seiner ideologischen Verblendung von der unersetzlichen Ausnahme-Nation USA dermaßen plump, dass wohl selbst eingefleischten Lesern der Bild-Zeitung Zweifel gekommen wären. Das dürfte denn auch der Grund dafür gewesen sein, weshalb die Rede von Generalleutnant Raymond McMaster in unseren Mainstream-Medien so gut wie keine Verbreitung fand. Das ist ein echter Verlust, der zumindest für RT-Deutsch-Leser hiermit ausgeglichen werden soll.

Nach den üblichen einführenden Floskeln begann McMaster seine Rede mit einem Hohelied auf den in Kriegstreiberkreisen renommierten US-Senator John – „Bomben auf Iran“ – McCain für dessen Verdienste um die Münchner Sicherheitskonferenz. Diese habe immer für lebhafte Diskussionen darüber gesorgt, „wie wir zusammen eine friedlichere und wohlhabendere Zukunft aufbauen können“. In diesem Jahr allerdings fände das Treffen zu einem Zeitpunkt, statt, „der nicht nur für unsere Nationen kritisch ist, sondern auch für die gesamte Menschheit“, so McMaster. Der Zeitpunkt sei besonders „kritisch, weil wir einer Reihe von Bedrohungen ausgesetzt sind, wie:

– Schurkenregime (wie die Türkei, Saudi-Arabien und vor allem die USA), die bereits die internationale Sicherheit im Nahen Osten und in Nordostasien (von Afghanistan über die Ukraine und den Mittleren Osten bis in den Jemen und Teile Afrikas) gefährden, entwickeln die zerstörerischsten Waffen der Welt.

– Diese Mächte fordern die Stabilität der internationalen Nachkriegsordnung durch militärische Gewalt und andere schändliche Aggressionsformen heraus.

– Und dschihadistische, terroristische Organisationen (finanziert und an Waffen ausgebildet durch westliche Länder, die Türkei oder Golfmonarchien) setzen den Massenmord an Unschuldigen weiterhin als ihre Haupttaktik in ihrem bösen Krieg gegen alle zivilisierten Menschen fort.“

Der Bock macht sich zum Gärtner

Nun, genau so hat es McMaster nicht gesagt. Aber erst durch die in Klammern gesetzten Ergänzungen wird die unausstehliche Heuchelei des amerikanischen Regierungsvertreters erträglich. Zudem sollte noch erwähnt werden, dass die genannten „Bedrohungen“ überhaupt erst durch die US-Aggressionen entstanden sind. Aber weiter im O-Ton des Generalleutnants:

Obwohl sich diese drei Bedrohungen unterscheiden, können sie sich überschneiden, wie das zum Beispiel in Syrien der Fall ist. Um diesen Bedrohungen zu begegnen und die internationale Sicherheit zu verbessern, müssen wir unseren Glauben an unsere Werte erneuern. […] Die Vereinigten Staaten, ihre Verbündeten und ihre Partner sind stolze Völker, patriotische Völker, die die Ideale der Freiheit, der individuellen Rechte, des freien Unternehmertums, der Gleichheit und der Rechtsstaatlichkeit schätzen. […] Wir sollten stolz darauf sein, was wir auf der ganzen Welt erreicht haben, um unsere Prinzipien zu schützen, unsere Sicherheit zu verteidigen und menschliches Potenzial freizusetzen.“ (Wie zum Beispiel durch die Wiedereinführung der Sklaverei in dem von den USA in die Steinzeit zurückgebombten Libyen oder durch das freigesetzte „menschliche Potenzial“ in den CIA-Gefängnissen in Afghanistan und im Irak, oder durch die uneingeschränkte Selbstverwirklichung der islamistischen Kopfabschneider in Syrien dank der großzügigen US-Hilfsleistungen)

Weiter mit McMaster:

„Heute möchte ich drei vorrangige Bereiche hervorheben, die unsere gemeinsamen Anstrengungen erfordern:

– Erstens die Gewährleistung der Nichtweiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und die Abschreckung von ihrer Anwendung (nur die USA dürfen mit deren Anwendung drohen);

– Zweitens, dschihadistische terroristische Organisationen zu besiegen (das geht nicht, wenn man sich der Kopfabschneider weiterhin als nützlicher Feinde bedient und sie nach allen Regeln unterstützt, während ihre Bekämpfung nur virtuell in der Propaganda stattfindet);

– Drittens die Stärkung der internationalen Grundlagen für Frieden und Wohlstand (was Washington als Kraft des Guten in der Welt mit bestem Wissen und Gewissen durch systematische Missachtung von solch altmodischen Werten wie „nationaler Souveränität“ oder des Völkerrechts, beispielsweise des Verbots von Angriffskriegen, zu erreichen versucht).

Schelte gegen „Schurkenstaaten“

Der zweite Teil der Rede richtet sich gegen die von Washingtons designierten „Schurkenstaaten“ Syrien, Nordkorea und Iran. Dabei ging es dem Top-Redner des „Schurkenstaats“ USA vor allem darum, den vom Westen behaupteten Einsatz von Giftgas durch die syrische Assad-Regierung und nordkoreanische Warnungen, einen US-Angriff mit Nuklearwaffen zu vergelten, als unakzeptable Drohungen und Gefahr für den Westen und die ganze Welt darzustellen. Dann steigerte sich der Vertreter der Nation, die mit Abstand führend ist bei der weltweiten Verbreitung von gefährlichen Waffensystemen, zu einem neuen Höhepunkt der Scheinheiligkeit: „Wir wissen, dass Syrien und Nordkorea nicht die einzigen Schurkenstaaten sind, die gefährliche Waffen entwickeln und verbreiten“, so McMaster mit einem Seitenhieb auf Russland und China.

Aus dem Vorangegangenen folgt dann natürlich, dass McMaster alle „verantwortlichen Länder“ zu einem Totalboykott gegen die angeblichen Schurkenstaaten drängt, auch gegen Iran, dem – glaubt man dem US-General – gefährlichsten Terrorstaat im ganzen Mittleren Osten.

Als nächstes widmete sich der Sicherheitsberater der Bekämpfung der Terrororganisationen. Dabei hätten die USA „in jüngster Zeit enorme Fortschritte gemacht, sowohl bei der Verhinderung von Terroranschlägen als auch bei der Vertreibung der Terroristen aus besetzten Gebieten, bei der Unterbindung ihrer Finanzierung und bei der Entlarvung ihrer boshaften Ideologie.“ Und dann steigerte sich die Bigotterie des US-Redners zur Lächerlichkeit, als er hervorhob:

Im vergangenen Jahr haben wir uns in Partnerschaft zusammengeschlossen, um zwei neue Zentren in Saudi-Arabien zu schaffen, die sich der Bekämpfung der dschihadistischen Ideologie und der Verhinderung von Terrorismusfinanzierung widmen.

Dschihadistische Terrorbekämpfung gemeinsam durch Saudi-Arabien und USA – ein Widerspruch in sich selbst. Eine Steigerung der politischen Unaufrichtigkeit ist da kaum noch möglich! Könnte man glauben. Doch gegen Ende seiner kurzen Rede belehrt uns der Amerikaner auch diesbezüglich eines Besseren.

McMaster beklagt Missachtung von Souveränität

Im Zusammenhang mit seiner Betonung der Wichtigkeit der Stärkung der internationalen Organisationen, damit diese „ihre ursprünglichen Ziele erfüllen können, nämlich den Interessen der Staaten zu dienen, die Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde schätzen“, wie das die USA international stets an herausragender Stelle tun, gelingt McMaster das absolute Meisterstück der Scheinheiligkeit, als er als US-Regierungsvertreter beklagte:

Leider gibt es rund um die Welt kaum noch Respekt vor der Souveränität anderer Staaten.

Das Land, dem McMaster vor allen anderen diese Respektlosigkeit vorwarf, ist Russland. Er nannte es nicht beim Namen, aber er benutzte dafür die in den bürgerlichen Medien inzwischen gängigen, schmückenden Beiworte wie „repressiv und revisionistisch“. McMaster warnte:

Wir dürfen nicht zulassen, dass repressive und revisionistische Kräfte unser Vertrauen in unsere heiligen Prinzipien erschüttern, unser System des freien Marktes untergraben oder in unsere demokratischen Prozesse eingreifen. Wie Sie in den letzten Tagen gesehen haben, werden die USA diejenigen entlarven und gegen sie vorgehen, die den Cyberspace, die sozialen Medien und andere Mittel nutzen, um Desinformations-, Subversions- und Spionagekampagnen voranzutreiben.

Wer die ganze Rede im Original lesen will, der findet sie hier auf der Webseite des Weißen Hauses, natürlich ohne meine Kommentierungen

Erschienen bei RT Deutsch am 28.02.2018