Brief an den gefallenen Großvater

bei Dr. Wolfgang Schacht gelesen…

Jeder von uns hat zwei Großväter und zwei Großmütter. Jene, die Glück gehabt haben, konnten mit ihnen sprechen, ihnen Fragen stellen, sie umarmen und küssen. Solange sie am Leben waren, konnten wir auch von ihren großen Lebenserfahrungen etwas lernen.

Einer meiner Großväter ist gestorben, als ich zwei Jahre alt war. Von ihm blieben mir nur seine Orden (darunter auch der Lenin-Orden!), mein Vorname und mein Familienname. Mein anderer Großvater hat uns verlassen, als ich begann in die Schule zu gehen.

Die Mutter meines Vaters, der im Jahre 1940 geboren wurde, ist im Jahre 1942 gestorben.

Das einzige Verbindungsglied mit unserer Familie aus der Vergangenheit ist meine Großmutter mütterlicherseits. Sie hat … Gott sei Dank … sehr lange gelebt.

Auf den Spuren des Sieges – Brief an den gefallenen Großvater

Guten Tag, lieber Großvater!

Ich schreibe Dir 73 Jahre nach unserem Sieg über den Faschismus. Ständiger Zeitmangel, eine Unmenge von Sorgen und Rechtfertigungen bestimmen unser Leben. 73 Jahre sind vergangen, seitdem ihr das schrecklichste Monster in der Geschichte der Menschheit und das auf teuflische Grausamkeit beruhende faschistische System auf unserer Erde besiegt habt. Leider hast Du diesen Tag nicht erlebt. Du bist bei einem Angriff in einem kleinen Dorf in den unendlichen Weiten Russlands gefallen. Gemeinsam mit Deinen 1.226 Kampfgenossen wurdest Du in einem großen Grab am Fuße eines Hügels in diesem Dorf begraben. In einem Dorf, das bereits – wie viele andere auch – nicht mehr existiert. An diesem Ort ist schon ein junger Wald herangewachsen. Obwohl alle Bewohner ihr Dorf verlassen haben, ist das große Grab mit dem Denkmal erhalten geblieben.

Ich habe Dich lange gesucht. Du weißt, für Großmutter mit sechs kleinen Kindern war das eine sehr schwere Zeit. Ein Glück, dass Dein ältester Sohn, d.h. mein Onkel, schon ein Erwachsener war. Du hast nie erfahren, dass er behauptete, ein Jahr älter zu sein und deshalb kurz nach Dir an die Front gehen konnte. Dann kamen die Deutschen. Von unserem Haus waren sie nur 15 Kilometer entfernt, die Frontlinie verlief gleich nebenan. Mein Vater – Dein jüngster Sohn – erzählte mir später, dass Großmutter uns bei jedem Angriff im Keller verbarg. Der Beschuss unseres Dorfes dauerte Monate. Schließlich wurden die Deutschen geschlagen und nach dem Westen verdrängt. Großmutter erhielt endlich von Dir einen Brief – der einzige. In ihm hast Du gefragt, wie es den Kindern geht und sie gebeten, tapfer und stark zu sein. Ich lese Deinen Brief sehr oft. Ich bin jetzt in dem Alter, in dem Du damals warst. Ja, sogar ein kleinwenig älter. Großmutter hat uns schon lange verlassen. Mein Vater – Dein Sohn –, der älteste Deiner Söhne – der Frontkämpfer – und seine beiden Töchter auch… Ich hoffe, dass sie dort alle zusammen sind.

Ich wollte Dich schon immer fragen, was Du gefühlt hast, als Du in Deinen letzten Kampf gegangen bist? Hattest Du Angst? An was hast Du gedacht, Großvater?

Wir haben vor 73 Jahren gesiegt. Wir befreiten unsere Heimat und fast ganz Europa vom Faschismus. Das Echo dieses Sieges ist in großen Wellen um die ganze Welt gegangen. Hundertjährige Kolonialimperien sind zerfallen, ihre Völker wurden Dank unseres Sieges von ihrem schweren Joch befreit. Unser Land genoss große Achtung und großen Respekt. Du wirst es mir nicht glauben, aber die sowjetischen Soldaten fütterten die Einwohner des besiegten Berlins, halfen ihnen wie sie nur konnten und erlaubten sich nicht, auf die Barbarei und die unmenschlichen Grausamkeiten der deutschen Besatzer in unserer Heimat zu antworten. Den gestrigen Feinden schickten wir ganze Züge mit Lebensmitteln. In einer Zeit, in der unser Land völlig zerstört war und viele sowjetische Menschen hungerten. Zwei Jahre nach dem Sieg brach bei uns eine Hungersnot aus. Mein Vater hat erzählt, dass unser Nachbar, Onkel Petja, vor Hunger gestorben ist. Er wohnte im Haus direkt gegenüber. Trotz alledem haben wir unser Land in fünf Jahren aus den Ruinen wieder aufgebaut. Mit der gleichen Zielstellung halfen wir vielen Ländern in Europa. Wir befreiten Polen, die Tschechoslowakei, Bulgarien, Rumänien, Österreich, Deutschland und Ungarn. Der sowjetische Soldat ist zigtausende Kilometer zu Fuß gegangen. Allein für die Befreiung von Polen haben 600.000 Sowjetsoldaten ihr Leben geopfert. Viele Millionen Menschen haben wir verloren. Ganz zu schweigen von den vielen Millionen, die erst gar nicht geboren wurden!

Wir hatten ein riesiges und sehr mächtiges Land. Mächtig nicht allein im Sinne seiner Kraft, sondern vor allem im Sinne seines Geistes, seiner Ethik und seiner Moral. Dir, lieber Großvater verdanken wir unser Leben. Dein Sohn bildete unsere Familie und hat uns aufgezogen – Deine Enkelkinder. Inzwischen hast Du viele Urenkel. Wir erinnern uns und denken immer an Dich.

Mein Vater hat mir erzählt, wie sie gemeinsam mit den gestrigen Eroberern die Ruinen der Stadt beseitigt haben. Unter ihnen waren nicht nur gefangene Deutsche. Ganz Europa ist in die Sowjetunion gekommen, um uns mit seiner beispiellosen Arroganz und seiner westlichen Kultur „zu erziehen, zu bilden und zu beglücken“. Wir haben ihre Lektionen in ihren „Bildungseinrichtungen“ in Chatyn, Babij Jar, Auschwitz, Sobibor, Buchenwald, … ausgezeichnet verstanden und viel daraus gelernt. Im neuen Sprachgebrauch heißen sie jetzt „westliche Werte“, „Freiheit“, „Demokratie“, „Menschenrechte“, „Integration“ und „Toleranz“. Du wirst es nicht glauben, aber die Gefangenen wurden besser verpflegt, als unsere eigene Bevölkerung. Trotz der beispiellosen Verbrechen dieser „Kulturboten“ haben unsere Menschen aus Mitleid ihre knapp bemessenen Speisen mit ihnen geteilt.

Wir waren die Ersten, die ins Weltall geflogen sind. Wir haben das Neuland und den hohen Norden erschlossen. Wir haben tausende Städte und tausende Kilometer Eisenbahnlinien gebaut. Wir haben halb Afrikas verpflegt und allen Bedürftigen in dieser Welt unentgeltlich wirtschaftliche und soziale Hilfe geleistet. Mit hoher Wahrscheinlichkeit waren wir das glücklichste Land der ganzen Welt. So schien es uns jedenfalls.

Als ich in die Schule kam, träumte ich davon, eine militärische Laufbahn einzuschlagen. Ich habe meinen Traum konsequent verwirklicht. Aber plötzlich begannen völlig andere Zeiten. Unser riesiges und mächtiges Land wurde verraten. Verraten haben wir es selbst! Wir konnten damals nicht so handeln wie ihr, lieber Großvater, im Sommer 1941. Wir waren wesentlich schwächer als ihr. Es kann auch sein, dass wir einfach niemanden hatten, der uns von diesem Chaos wegführen konnte. Die gestrigen Verbündeten haben begonnen, unser Land zu teilen und sich mit den von Euch im Jahre 1945 besiegten Ländern zu vereinen. Du wirst es nicht glauben, denn es ist entsetzlich und grausam – in den Straßen von Odessa, Riga und Kiew marschieren wieder die Nazis. Nach den offiziellen Aussagen der westlichen Welt liegen diese Städte in so genannten, „freien und demokratischen Ländern“. Es begannen Kriege in unserem einst mächtigen Land. Und schon krieche ich, ein junger Offizier und Kommandeur einer Aufklärungseinheit, mit meinen Soldaten auf dem Territorium meines eigenen Landes in einen Krieg. Genau wie Du im Jahre 1941 in unserem Land. Die Feinde waren damals die Faschisten. Heute ist oft nicht klar, wer ist wer …

Aber wir haben trotz alldem standgehalten, Großvater. Unser Land hat sich verändert. Es ist ganz anders. Wir sind enger zusammengerückt. Wir haben begriffen, dass wir am Rande des Abgrundes stehen. So wie ihr haben wir mit den Zähnen und Ellbogen begonnen, „unsere Späne und Krümel“ zu sammeln. Ich wünschte mir, dass Du stolz auf mich sein könntest. Aber ich schäme mich vor Dir.

Schon einige Jahre führen wir im ganzen Land die Prozession „Das unsterbliche Regiment“ durch. Die Anzahl der Teilnehmer nimmt von Jahr zu Jahr zu. Jeder von uns trägt die Bilder seiner Vorfahren, die aus dem Großen Vaterländischen Krieg zurückgekehrt oder nicht zurückgekehrt sind. Bei uns sind das viele Millionen. Auch ich nehme mit meinen beiden Kindern daran teil. Wir tragen Dein Bild, das Deines Sohnes und Deiner Tochter durch ganz Moskau bis zum Roten Platz. Unser Präsident nimmt an dieser Prozession aktiv teil. Immer mehr Länder schließen sich dieser Aktion an. Sogar in Deutschland, das gemeinsam mit den Truppen seiner europäischen und transatlantischen Verbündeten erstmals seit 1941 schon wieder an unserer Grenze steht.

Jedes Jahr findet im Zentrum unserer Heimat, die trotz ihrer großen Verluste immer noch riesig ist, eine Militärparade statt. Das ganze Land feiert den Tag des Sieges als größten Feiertag. Am gleichen Abend findet in allen Städten ein grandioses Feuerwerk statt. Genauso, wie zu Deiner Zeit, als ihr eine Stadt nach der anderen von den Faschisten befreit habt.

Verzeih mir bitte, lieber Großvater.

Ich weiß nicht, wie ich es Dir sagen kann. In verschiedenen Teilen unseres ehemaligen riesigen Landes wird der Tag des Sieges nicht mehr gefeiert. Es ist sogar verboten das St. George Band und rote Fahnen zu tragen. Auf den Straßen marschieren Nazis, die auf unsere noch lebenden Veteranen und ihre Verwandten brutal einschlagen.

Unsere gestrigen Verbündeten haben die Hälfte der Welt im Blut ertränkt und hetzen unsere Völker aufeinander. Ich sehe schon keinen Unterschied mehr zwischen ihnen und den damaligen Faschisten. Das Vereinigte Europa steht wie 1941 mit modernsten Waffen und mit wildem Hass wieder an unseren Grenzen. Ihr ganzer Hass ist geprägt von der Tatsache, dass wir im Jahre 1945 gesiegt haben und von dem Sachverhalt, dass wir nach wie vor existieren.

Aber das ist bei weitem noch nicht das Schrecklichste, lieber Großvater. Ich schäme mich, dass vieles von dem o.g. auch in unserem Land geschieht. Unsere Kinder wachsen in einer völlig anderen Welt auf, in einer Welt, die zwar wesentlich komfortabler, aber auch wesentlich egoistischer und zynischer ist. In unserer kapitalistischen Welt regiert nur das Geld, das alle moralischen Prinzipien vom Tisch gefegt hat und die traditionellen Werte unseres Daseins bewusst deformiert. Trotz der Siegesfeier, der Prozessionen und Paraden werden wir von allen Massenmedien (Zeitungen, Fernsehen, Rundfunk, Internet, …) pausenlos mit einer Flut von Lügen manipuliert. Große und kleine Zeitungen und Zeitschriften, große und kleinere Blogger rufen ihre Leser auf, den Sieg im Großen Vaterländischen Krieg zu bereuen, erzählen seltsame Geschichten über Millionen vergewaltigter deutscher Frauen und von Gräueltaten russischer Soldaten. Sie schreiben über zig Millionen Opfer und über die Genialität der Nazis. Sie erklären uns, dass der Kampf der 28 Panfilov-Soldaten erfundene Helden des 2. Weltkrieges sind, die von PolitKommissaren mit Gewalt in den Kampf getrieben wurden.

Jemand erzählt, dass es besser gewesen wäre, wenn die Städte Moskau und Leningrad kapituliert hätten. Dir erscheint das äußerst seltsam, kränkend und beleidigend, aber nichts geschieht und niemand wird dafür zur Verantwortung gezogen. Die dafür verantwortlichen Zeitungen und Rundfunkstationen werden nicht geschlossen. Die Autoren können unbescholten ihre zerstörerische Tätigkeit zur Deformierung der Gehirne unserer heranwachsenden Generation fortsetzen. Unsere ehemaligen Verbündeten (USA und Großbritannien) produzieren eine Masse von russlandfeindlichen Filmen, sie schreiben neue Lehrbücher, in denen die Geschichte unseres Landes bewusst gefälscht und auf den Kopf gestellt wird. Überall lesen und hören wir, dass nur sie den Faschismus besiegt haben. Die sowjetischen Soldaten, d.h. die wirklichen Befreier, werden schon als „Besatzer“ von den Bewohnern der Länder genannt, die sie vor ihrer eigenen Vernichtung gerettet haben. Du bist in diesen Ländern nicht angekommen. Aber Dein ältester Sohn hat sie befreit. Und er erinnerte sich bis zum letzten Tag seines Lebens, wie sie in Warschau, Prag und Wien mit Jubel begrüßt wurden. Er erinnerte sich bis zum letzten Tag seines Lebens auch an die zwei Granat-Splitter, die sich unter seinem Schulterblatt befanden. Jetzt zerstören die Bewohner dieser Länder Denkmäler, die sie den Befreiern gewidmet haben und spucken auf Ihre Gräber. Sogar in unserem Land geschieht das.

Ich weiß nicht, wie ich Dir etwas erklären soll, was einfach nicht zu verstehen ist. Wir versuchen erneut unser Land aus jener Asche zu heben, in die es rückwärtsgewandt vor 25 Jahre gefallen ist. Bei uns fängt vieles an zu gelingen. Wir bauen wieder Betriebe und Eisenbahnlinien, Städte und viel große Brücken, Kosmodrome und schwimmende Kernkraftwerke, Flugzeuge und moderne Raketen. Wir glauben fest daran, dass die neue Generation erfolgreicher sein wird als wir. Sie wird Größeres schaffen, mehr und besser arbeiten und lernen, stolz auf unsere Geschichte sein und unsere Erinnerungen sicher bewahren. Aber ich habe Angst, lieber Großvater.

Du weißt, ich hatte keine Angst in unserem Krieg, als die Kugeln pfiffen. Jetzt habe ich Angst vor der sich abzeichnenden Zukunft unserer Kinder. Bei der Erziehung Deiner Kinder hast Du sie manchmal ausgeschimpft, manchmal belehrt, und wenn unbedingt notwendig, auch ein paar Schläge mit dem Löffel hinter die Ohren gegeben. Wie z.B. Deinem ältesten Sohn mit dem Holzlöffel auf die Stirn. Wo ist jetzt dieser „Holzlöffel“, der vom Land gegen die falschen, hinterlistigen und bösartigen Schreiberlinge, Regisseure, Kulturschaffenden und Politiker eingesetzt werden kann? Denn sie leben nur deshalb, weil Du und Deine 1.226 Kameraden nicht bis zum Sieg überlebt haben, weil Dein Sohn „dank“ des Krieges und der schweren Verletzungen durch zwei Granat-Splitter, die er bei der Befreiung von Warschau erhalten hat, wesentlich früher gestorben ist. Dank der Tatsache, dass Deine übrigen Kinder, wie auch Millionen andere, das Land aus den Ruinen wieder aufgebaut haben, hungerten und ihr letztes Stück Brot mit ihren gestrigen Feinden geteilt haben.

Ich kann Dir jetzt nicht erklären, wie wir unser Land wieder aufbauen und entwickeln werden, wenn wir gleichzeitig zulassen, dass es von innen zerstört wird. Denn wir selbst füttern mit unserer Arbeit diese Brut. Denn schon unsere Kinder und Enkelkinder wissen nicht mehr, wer in diesem Krieg gesiegt hat und mit welchen Opfern dies gelang. Langsam, aber sehr zielstrebig wird das Fundament unseres Erinnerungsvermögens abgeschliffen. Ist ohne diese Erinnerung eine würdige Zukunft überhaupt möglich? Ich bin fast so alt wie Du bei Deinem letzten Kampf. Ungefähr 40 Jahre. Aber schon jetzt empfinden wir, dass wir wie Mammute früher oder später aussterben werden. Denn viele der neumodischen Politiker und Schriftsteller erklären lauthals, dass unsere Generation in dieser Welt völlig überflüssig ist. Was sollen wir über diejenigen sagen, die noch älter sind? Wo ist jenes monolithische Fundament der Einheit von Nation und Staat, das wir nicht nur hören, sondern tagtäglich sehen und empfinden wollen?

Ich wollte immer Deiner würdig sein. Lernte fleißig in der Schule. Später studierte ich und wurde Offizier. Ich erinnere mich noch gut an das Glücksgefühl, die ersten goldenen Epauletten eines Offiziers auf meinen Schultern zu tragen. Ich erlebte die Garnison, das Pulver, den Hunger und den Mangel. Wir bemühten uns wie Ihr, nicht zu klagen, sondern der Heimat zu dienen. Später hat mich das Leben gezwungen, die Armee zu verlassen. Ich gründete eine Familie, zwei Kinder wurden geboren, die wir jetzt groß ziehen. Es gelang mir, 1.226 Menschen ein Denkmal auf Ihrem brüderlichen Grab zu schaffen. Sie haben jetzt alle einen Vornamen, Vatersnamen und Familiennamen. Solche wie ich gibt es in unserem Land viele Millionen. Jeder arbeitet auf seine eigene Art, zieht seine Kinder groß, baut und glaubt an eine Zukunft. Ob es ausreichend ist, was jeder von uns jetzt macht? Einer nach dem anderen wird geschlagen. Geschlagen wird auf das Teuerste und Verwundbarste – auf unsere Kinder und unser Gedächtnis. Wo ist unser einheitliches und mächtiges „WIR“, das dem jetzt laufenden Krieg ebenso Widerstand leistet, wie damals im Jahre 1941? Ich habe keine Antwort auf meine Frage. Ich kann nur hoffen, dass wir uns rechtzeitig etwas einfallen lassen.

Entschuldige bitte, lieber Großvater. Ich musste Dir die Wahrheit erzählen. Denn ohne die Wahrheit gibt es kein Leben. Du wirst mich sicher verstehen.

Freie Übersetzung aus zwei russischen Quellen
Übersetzer: Dr. Wolfgang Schacht
01. Juni 2018

P.S. :
Wenn wir den nachstehenden Brief an den Großvater aufmerksam lesen, dann verstehen wir vielleicht wesentlich besser, dass

  • unser Staat – die DDR – von ihrer Führung eiskalt verraten und bedingungslos (ohne eine Volksabstimmung!) der BRD zur Annexion übergeben wurde („Der Fisch fängt immer zuerst am Kopf zu stinken an!“);
  • „unsere“ kapitalistischen Massenmedien tagtäglich alles erdenkliche tun, um unser Gedächtnis über die Errungenschaften der DDR zu löschen bzw. nur mit negativen Emotionen zu belasten;
  •  die Differenzen und Widersprüche zwischen Jung und Alt auf Täuschungen und Lügen beruhen, d.h. künstlich vom herrschenden Establishment geschaffen werden. Denn schon die Nazis verkündeten „Wer die Jugend hat, der hat die Zukunft“;
  • nur durch den Übergang vom „WIR“ zum „ICH“ die globale kapitalistische Ausbeutung gesichert, entwickelt und weiter ausgedehnt werden kann;
  • sich die Partei „DIE LINKE“ mit dem Kapitalismus bundesdeutscher Prägung engagiert hat und ohne jegliche Ideologie von einem demokratischen, ökologischen, feministischen und lustvollen Sozialismus träumt und dass
  • jeder Gedanke, jede politische Bewegung und jede neue Partei, die sich die Aufgabe stellt, die Weltkonzerne und Weltbanken im Interesse einer sozialen kommunalen Daseinsvorsorge zu verstaatlichen, schon im Keim erstickt und zerschlagen wird. Eine Einheit von Volk und Staat ist deshalb im Kapitalismus unmöglich! 

Vielleicht entsteht bei Ihnen auch der Wunsch mit Ihren Großvätern und Großmüttern zu sprechen. Tun Sie das, solange noch Zeit ist!