20 Jahre seit NATO-Angriff auf Jugoslawien: Teil des NATO-Drehbuchs – „Massaker von Srebrenica“

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Srebrenica gilt als das „schlimmste Verbrechen in Europa seit dem Holocaust“. Die NATO nutzte es, um die UN zur Aufgabe ihrer Neutralität zu bewegen, die deutsche Regierung im Besonderen, um die Nazi-Verbrechen zu relativieren.

von George Pumphrey

8.03.2019

In Srebrenica sollen bis zu 8.000 muslimische Männer und Jungen – unbewaffnete Zivilisten – von serbischen Exekutionskommandos erschossen worden sein. Zahlreiche Fakten aber, die trotz aller Bemühungen nicht unterdrückt werden können, lassen Zweifel aufkommen, ob ein Massaker dieses Ausmaßes in Bosnien überhaupt stattgefunden hat.

Am 10. August 1995 trat der UNO-Sicherheitsrat in geschlossener Sitzung zusammen, um über die „Operation Sturm“ zu debattieren. Beginnend am 4. August hatte die kroatische Regierung innerhalb von vier Tagen in einer militärischen Blitzaktion 250.000 Serben aus der Krajina vertrieben. Unzählige Serben, die ihre Heimat nicht freiwillig verlassen wollten, wurden ermordet. Es war die größte ethnische Säuberung seit dem Zweiten Weltkrieg. Die US-Vertretung im Sicherheitsrat hatte jedes Interesse, die Debatte darüber zu verhindern, schließlich bestand die Gefahr, dass die aktive Rolle der USA in diesem Verbrechen zur Sprache kommen würde.

Die UNO-Botschafterin der USA, Madeleine Albright, ergriff das Wort und präsentierte militärische und nachrichtendienstliche Luftaufnahmen, die angeblich „massenhafte Gräueltaten an muslimischen Zivilisten“ durch bosnische Serben nach der Einnahme von Srebrenica am 11. Juli zeigten. Von den acht Fotos, die sie dem Sicherheitsrat vorgelegte, bekam die Öffentlichkeit nur drei zu sehen. Die anderen wurden als „geheim“ eingestuft. Damit war eine unabhängige Prüfung dieser „Beweise“ von vornherein ausgeschlossen, wohl wissend, dass die US-Regierung von keiner Macht der Welt gezwungen werden kann, der Freigabe der Originalfotos zuzustimmen. Damit hatte sie sich einen gesetzlosen Raum geschaffen, in dem sie Beweise fabrizieren, manipulieren, vorlegen oder vorenthalten kann.

Auf den Fotos zeigen nachträglich eingezeichnete Pfeile auf ein paar helle Stellen auf einem Feld, bezeichnet als „Fahrzeugtarnung“ und „kürzlich aufgewühlte Erde“ – „mögliche Massengräber“ also. Warum wurden dem Sicherheitsrat nicht die Originalfotos gezeigt? Aufklärungsfotos weisen normalerweise eingebaute zeitliche und geografische Erkennungsmerkmale auf. Woher soll man wissen, dass diese Fotos in der Nähe von Srebrenica aufgenommen wurden? Und zu welcher Zeit? Ohne diese Merkmale können Fotos beliebig interpretiert werden, und sie können schon gar nicht als Beweis dienen.

Schon während ihrer Präsentation wollte Albright wohl die Öffentlichkeit auf die Möglichkeit vorbereiten, dass es keine Beweise für ihre Behauptungen geben könnte, und natürlich die Serben daran schuld sein würden: „Wir werden aufpassen, ob die bosnischen Serben versuchen, Beweise, für das was sie angerichtet haben, zu beseitigen.“

Die New York Times (NYT) schrieb, „Frau Albrights Präsentation kam gerade, als tausende von Serben aus ihrer Heimat flüchteten, nachdem kroatische Truppen mit stillschweigender Zustimmung der USA das von rebellischen Serben besetzte Gebiet angegriffen und überrollt hatten.“

Albrights Peepshow hatte vollen Erfolg. Die kroatischen Verbrechen gegen die Serben schafften es kaum mehr in die Medien. Das „Massaker von Srebrenica“ wurde, wie Außenminister Joschka Fischer es nannte, zum „Symbol des serbischen Faschismus“.

Präsident Clintons Angebot

Die US-Regierung unter Präsident George Bush Sr. war gegen die Zerschlagung Jugoslawiens und gegen ein Eingreifen der USA – im Gegensatz zu Bill Clinton, der im Januar 1993 das Amt übernahm. Ebenso ab Januar 1993 bemühten sich Vertreter der UNO und der EG in Verhandlungen mit Serben, Kroaten und Muslimen um einen Friedensplan, dem alle drei Konfliktparteien zustimmen konnten. Die USA waren an diesen Verhandlungen nicht beteiligt. Die Pläne scheiterten jedes Mal an Alija Izetbegović, dem muslimischen Präsidenten von Bosnien-Herzegowina. Ihm hatte die Clinton-Regierung immer wieder eingeflüstert, dass die USA ihm in Verhandlungen bessere Bedingungen schaffen könnten. Schließlich übernahmen die USA die alleinige Führung der Verhandlungen, und es wurde ein Plan ausgehandelt, der einen Bevölkerungsaustausch bzw. eine Umsiedlung vorsah, „ohne Enklaven und Korridore“. Entgegen der weit verbreiteten Behauptung haben die Serben Srebrenica 1995 nicht „an sich gerissen“, sondern es wurde ihnen im Austausch zugeteilt.

Am 22. Juni 1998 erschien in der muslimischen Zeitung Dani ein Interview mit Hakija Meholjić, dem Polizeichef von Srebrenica. Als Vorsitzender der (muslimischen) Sozialdemokratischen Partei in Srebrenica hatte er im September 1993 mit einer Delegation an einem Parteitag in Sarajevo teilgenommen. Dort erzählte Alija Izetbegović ihm und seiner Delegation, US-Präsident Clinton habe im April 1993 eine militärische Intervention [der USA/NATO] angeboten, wenn „die Streitkräfte der Tschetniks [Schimpfwort für Serben] in Srebrenica einmarschieren und 5.000 Muslime umbringen.“

Die NATO brauchte also ein „serbisches Massaker an Muslimen“, um eine Militärintervention zu rechtfertigen.

Ein Journalist als „Augenzeuge“

Am 18. August 1995 veröffentlichte die US-Tageszeitung Christian Science Monitor einen exklusiven „Augenzeugen-Bericht“ ihres Korrespondenten David Rohde in Zagreb. Dieser behauptete, er sei „ohne Erlaubnis seitens der bosnischen Serben“ nach Srebrenica gefahren, „um die Vorwürfe der amerikanischen Behörden zu prüfen, Serben hätten hunderte, vielleicht sogar tausende Muslime ermordet.“ Die Zeitung erklärte, Rohde sei der erste westliche Journalist am Ort der angeblichen Gräueltaten gewesen.

Seinem „Augenzeugen-Bericht“ fehlte jedoch jeder Hinweis, dass er tatsächlich in Srebrenica gewesen ist. Seine Beschreibung sollte aber wohl den Eindruck erwecken, die Serben hätten wie die deutsche SS gewütet. Der Artikel war nur mit Archivfotos illustriert.

Im Oktober 1995, zwei Monate nach seinem ersten „Besuch“, begab sich Rohde tatsächlich nach Srebrenica. Dort agierte er offensichtlich so verdächtig, dass er von serbischen Militärangehörigen verhaftet wurde, die, laut Rohde, wohl annahmen, er arbeite für die CIA. Die bosnisch-serbischen Behörden wollten ihn so schnell wie möglich loswerden, aber die USA zögerten. Seine Verhaftung kam mitten in den Dayton-Verhandlungen, und solange er in den Händen der bosnisch-serbischen Behörden war, diente er als willkommenes Druckmittel gegen die serbische Seite.

Die „größte Enttäuschung“ während seiner Reise nach Srebrenica im Oktober sei seine Verhaftung gewesen, erzählte Rohde der Newsweek Monate später.

Ich war sehr frustriert, denn die Serben haben mir am Ende den Film abgenommen, auf dem ich diese Gräber abgelichtet hatte, diese ersten Vor-Ort-Fotos, Fotos der Knochen und der Stöcke, die alten Männern weggenommen worden waren.

Heißt das, bei seinem „ersten“ Besuch war der ambitionierte Journalist auf der Suche nach seinem großen Exklusivbericht den ganzen Weg von Zagreb durch ein Kriegsgebiet nach Srebrenica gefahren – ohne Fotoapparat? Beim zweiten wurde ihm „der Film abgenommen“. Ob und was er fotografiert hat, bleibt ungewiss.

Als Jahr für Jahr die fortlaufenden Exhumierungen keine Beweise erbrachten, die die ursprüngliche Behauptung einer Hinrichtung von 7.000 bis 8.000 Menschen nur annähernd bestätigen konnten, begann auch Rohde seine ursprünglichen Behauptungen zu relativieren. Er sprach nicht mehr von Massakern (das in der anti-serbischen Kriegspropaganda als standrechtliche Massenhinrichtung dargestellt wurde), sondern von „Massakern“ und „Hinterhalten“. Er machte natürlich keine Angaben zur Anzahl derer, die angeblich „hingerichtet“ wurden – also einem Verbrechen zum Opfer fielen und jenen, die seinen Aussagen zufolge „aus dem Hinterhalt“ getötet wurden. Töten durch Angriffe aus dem Hinterhalt ist ein „normaler“ Vorgang im Krieg und stellt kein Kriegsverbrechen dar.

Während David Rohde behauptete, Massengräber gesehen zu haben, kamen andere Journalisten, die sich auf ähnliche Expeditionen begaben, zu anderen Ergebnissen. Die Medien-Analytikerin Mira Beham schrieb in ihrem Buch „Kriegstrommeln“: „In den Monaten nach dem Fall von Srebrenica versuchten 24 internationale Journalisten, unter ihnen Mike Wallace vom CBS, ein BBC-Team und mehrere CNN-Journalisten, den Spuren nachzugehen, die von den US Satellitenfotos und von Vor-Ort-Informationen über die Massengräber stammten – ohne Erfolg.“ Das wurde allerdings nirgends berichtet.

Bemerkenswert ist übrigens auch, dass der Journalist Rohde keinen Artikel über die „Operation Sturm“, die ethnische Säuberung von 250.000 Krajina-Serben schrieb, obwohl er aus der kroatischen Hauptstadt Zagreb berichtete.

Jonglieren mit Zahlen

Anfang September 1995, zwei Monate nach der Übergabe Srebrenicas an die Serben, suchte das Internationale Rote Kreuz Auskunft über vermisste Personen. Der Direktor der operativen Abteilung Westeuropa, Angelo Gnaedinger, erbat von offiziellen bosnisch-serbischen Stellen Informationen über den Verbleib von 3.000 Personen aus Srebrenica, die von bosnisch-serbischen Sicherheitskräften festgenommen worden sein sollen. Von der Regierung in Bosnien-Herzegowina [bosnisch-muslimische Seite im Bürgerkrieg] wollte das IKRK Auskunft über 5.000 Personen, die vor der serbischen Übernahme Srebrenicas geflohen waren. Ein Teil von ihnen soll das muslimisch kontrollierte Zentralbosnien erreicht haben.

Die New York Times vom 15. September gab den von der IKRK genannten Zahlen eine andere Bedeutung. Sie nannte 8.000 vermisste Muslime, darunter 3.000 Personen, die von Serben festgenommen sein sollen. Nicht nur wurden die zwei Gruppen einfach zusammengezählt, die NYT erwähnte auch nicht, dass das IKRK die bosnisch-muslimische Regierung um Informationen über die Gruppe der 5.000 gebeten hatte, von denen ein Teil muslimisches Gebiet bereits erreicht hatte. Die von der New York Times unterschiedslos addierte Zahl machte von da an die Runde als „bis zu 8.000 Opfer des serbischen Massakers in Srebrenica“ – der Beweis für den „serbischen Völkermord an Muslimen“.

Die New York Times hatte offensichtlich auch vergessen, was sie im Juli zuvor berichtet hatte. „3.000 bis 4.000 bosnische Muslime, die nach dem Fall von Srebrenica von UNO-Beamten als vermisst betrachtet wurden,“ hätten „durch die feindlichen Linien hindurch das bosnisch muslimische Gebiet erreicht“.

Zur gleichen Zeit schrieb die Washington Post, „rund 4.000 bosnische Soldaten stapften fünf Tage lang durch serbisches Territorium, um aus Srebrenica zu fliehen und einen sicheren Hafen in Medjedja zu erreichen.“

Die London Times berichtete Ähnliches am 2. August 1995: „Tausende von vermisst geglaubte bosnisch-muslimische Soldaten von Srebrenica, die im Zentrum der Berichte über Massenhinrichtungen durch Serben standen, sollen sich wohlbehalten im Nordosten von Tuzla aufhalten.“ Das Rote Kreuz habe von Quellen in Bosnien erfahren, bis zu 2.000 bosnische Soldaten seien dort von Srebrenica „ohne Wissen ihrer Familien“ angekommen. Die Berichte könnten aber nicht überprüft werden, „da die bosnische [muslimische] Regierung dem Roten Kreuz den Zutritt zu diesem Gebiet verwehrt habe.“

Mit dem Haager Tribunal schuf sich die NATO ein Gericht gegen ihre Gegner. Mit Schauprozessen, die jeder rechtsstaatlichen Gerichtsbarkeit Hohn sprachen, sollte den Serben „Völkermord“ nachgewiesen und die UN-Konvention für die Bestrafung derartiger Verbrechen unterhöhlt werden.

Das „Haager Tribunal“ – Instrument der NATO

Bereits zehn Tage nachdem serbische Truppen Srebrenica übernommen hatten, erhob der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) in Den Haag („Haager Tribunal“) Anklage gegen die bosnisch serbische Führung wegen „Verbrechen gegen die Menschheit“ und „Völkermord“– basierend nur auf Vertrauen in Versprechungen der US Regierung stichhaltige Beweise zu liefern.

Das ICTY wurde 1993 unter dem Einfluss der NATO-Staaten im UNO-Sicherheitsrat gegründet – zu einem Zeitpunkt, als Russland eine sehr schwache außenpolitische Rolle spielte. Die NATO „ist der Freund des Tribunals“, wie ihr Sprecher Jamie Shea im Mai 1999 erklärte. Die NATO lieferte die Angeklagten, finanzierte die Einrichtung und war Hauptfinancier dieses Gerichts. Es ist nichts anderes als ein Instrument der NATO – gerichtet hauptsächlich gegen die Serben.

Die Kriminalisierung und Anklage leitender serbischer Politiker, diente der politischen Enthauptung der serbischen Gesellschaft. Auch auf der diplomatischen Ebene spielte das Tribunal eine wichtige Rolle, um unliebsame Politiker aus dem Verhandlungsprozess auszugrenzen. Wie Antonio Cassese, der erste Präsident des Tribunals nach der Anklage Radovan Karadzics wegen Völkermords triumphierend erklärte: „Die Entscheidung stellt einen bedeutenden Schritt dar. Mal sehen, wer sich jetzt an den Verhandlungstisch setzt, mit einem Mann, der des Völkermords beschuldigt wird. Dieser Herr wird nicht an Friedensverhandlungen teilnehmen können.“

Bestätigt hat diese Funktion des Tribunals später auch Richard Holbrooke, der Hauptverhandlungsführer der USA in Dayton gegenüber der BBC: „Das Kriegsverbrechertribunal war ein sehr wertvolles Instrument. Wir haben es benutzt, um die beiden meistgesuchten Kriegsverbrecher in Europa aus dem Dayton-Prozess herauszuhalten, und wir haben es verwendet, um alles, was danach folgte, zu rechtfertigen.“

Zu Beginn glaubte das Gericht, die US-Regierung würde tatsächlich die versprochenen Beweise für eine Massenhinrichtung von Muslimen liefern. Laut New York Times vom November 1995, hatte der Richter Richard Goldstone diese mehrmals angefordert, insbesondere auch die von Albright im Sicherheitsrat präsentierten Fotos. Goldstone beschwerte sich, dass ein Großteil der von der US-Regierung bereitgestellten Informationen auf öffentlich zugänglichem Material bestünde, die für den Prozess irrelevant seien. Als Antwort erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, es gäbe „bestimmte Arten von Geheimdienstinformationen, die unsere Regierung nicht mit der internationalen Gemeinschaft teilen kann“ – aus „Sicherheitsgründen“ natürlich.

Auf Verlangen der USA, Frankreich und Großbritannien wurden alle Srebrenica-relevanten Akten in der New Yorker UNO-Zentrale für die nächsten 30 bis 50 Jahre weggesperrt und durften auch dem Tribunal nicht vorgelegt werden.

Wenn „Srebrenica“ für die NATO-Politiker das „größte Verbrechen seit dem Holocaust“ ist, könnte man erwarten, dass sie alles dransetzen dies auch zu beweisen. Warum also die Geheimnistuerei und Verweigerung bei der Aufklärung? Verheimlichen sie Beweise für ein Verbrechen oder Beweise dafür, dass sie keine Beweise für ein Verbrechen haben?

Der „wichtigste Zeuge“ der Anklage

Das Ausbleiben von Beweisen sollte der bosnische Kroate Dražen Erdemović als Kronzeuge gut machen. Er hatte schon öfter die Uniform gewechselt, um auf verschiedenen Seiten des Bürgerkriegs zu kämpfen. Zuletzt habe er, nach eigener Aussage, an der “Hinrichtung von 1.200 muslimischen Zivilisten in Srebrenica“ teilgenommen. Mit dem Tribunal machte er einen Deal: Seine Aussage gegen die serbischen Führer im Austausch für Strafminderung und Zeugenschutzprogramm mit neuer Identität und Leben in einem westlichen Land.

Aufgrund dieses Deals brauchte er auch den Wahrheitsgehalt seiner Behauptungen nicht zu beweisen.. Die eklatanten Widersprüche in seinen Aussagen wurden von der Anklage nicht hinterfragt. Während eines Kreuzverhörs fragte Präsident Slobodan Milošević (der sich selbst verteidigte) Erdemović, ob er während der Hinrichtungen Serben gesehen oder gehört habe? Erdemović gestand, dass das nicht der Fall war.

Seine Beschreibung der angeblichen Hinrichtung konnte einer rein rechnerischen Prüfung nicht standhalten und auch die Diskrepanz zwischen seinen Angaben und den später am genannten Ort gefundenen 150 bis 200 Leichen, wurde nie geklärt. Die Öffentlichkeit wurde auch nie darüber informiert, ob es sich dabei um Opfer einer Exekution oder eines bewaffneten Konfliktes handelte.

Erdemović hatte sieben mutmaßliche Komplizen in dem Massaker namentlich genannt. Das Gericht zeigte kein Interesse sie strafrechtlich zu verfolgen. Fürchtete das Gericht, diese könnten eine andere Version der Geschehnisse vortragen?

Völkermord?

Die erste Verurteilung in Sachen Srebrenica erging gegen den bosnisch-serbischen General Radislav Krstić im August 2001. Er wurde laut New York Times des Völkermords für schuldig befunden „aufgrund seiner Rolle in dem Massaker von mehr als 7000 Muslimen durch bosnische Serben in Srebrenica im Juli 1995. Es war das erste Urteil eines internationalen Gerichts über Völkermord in Europa”.

Die NYT nennt auch die Beweislage die zu seiner Verurteilung geführt hatte: Ermittler des Tribunals „hätten 2.028 Leichen aus Massengräbern in der Region exhumiert.“ Weitere 2.500 seien geortet worden.

Die Suche nach den in Srebrenica „mehr als 7.000 Hingerichteten“ war bereits seit fünf Jahren im Gang, doch das Tribunal hatte keine „Beweise“, dass es mehr als 2.028 Tote gab. Das Tribunal wusste sehr wohl, dass Leichen in einem Massengrab nicht automatisch Opfer einer Massenexekution sind. Die Entdeckung von in Eile begrabenen Leichen in Gebieten, in denen über drei Jahre ein Bürgerkrieg tobte, ist sicherlich nicht ungewöhnlich. Bei einer plötzlichen großen Anzahl von Toten durch Kriegseinwirkungen ist die sofortige zivile Einzelbeerdigung oft unmöglich und ein Massengrab die einzige Lösung. In diesem Bürgerkrieg haben nicht nur Serben geschossen und sind nicht nur Muslime gestorben.

Doch das Tribunal ließ weder die Identität der exhumierten Leichen, noch den Todeszeitpunkt oder die Ursache des Todes ermitteln. Zum Zeitpunkt des Urteils hatte das Tribunal also keinen materiellen Beweis dafür, dass eine Massenhinrichtung von ”mehr als 7.000 Menschen” in Srebrenica stattgefunden hatte.

Die NYT verschwieg, dass General Krstić zur fraglichen Zeit nicht in Srebrenica war, sondern mit seinen Truppen bereits unterwegs nach Žepa. Nachdem sie auch diese muslimische Enklave eingenommen hatten, brachten die serbischen Truppen, laut NYT, die verwundeten muslimischen Soldaten ins Krankenhaus nach Sarajewo. Wie sich herausstellte, waren viele von ihnen „Vermisste“ aus Srebrenica. Mit vielen anderen muslimischen Soldaten waren sie vor den Serben aus Srebrenica geflohen. „Diese Männer schafften es nicht nach Tuzla, wo die meisten Flüchtlinge landeten, sondern wurden die Verteidiger von Žepa.“

Es mag seltsam erscheinen, dass die muslimischen Verteidiger Žepas bei der Flucht aus der Stadt ihre verwundeten Kameraden den einrückenden Serben hinterließen. Oder dass die 5.000 muslimischen Soldaten bei ihrer Flucht aus Srebrenica ihre Frauen und Kinder dort ungeschützt zurückgelassen hatten – wo doch den Serben angeblich der Ruf von brutalen Sadisten und Vergewaltigern vorausging. Oder glaubten die muslimischen Soldaten etwa der eigenen Regierungspropaganda nicht, weil sie wussten, dass sie sich um ihre Frauen, Kinder und um ihre verwundeten Kameraden keine Sorgen machen mussten, wenn sie in die Hände ihrer serbischen Landsleute fallen würden?

Das serbische Militär ließ die verletzten moslemischen Soldaten von Žepa hinter die muslimischen Linien ins Krankenhaus nach Sarajevo evakuieren. So begeht man einen „Völkermord“? Ist das die Militärmacht, die man mit den Nazis vergleicht?

Das Haager Tribunal befand General Krstić schuldig des „Völkermords“ auf der Basis des eigenen Statuts und ausdrücklich nicht auf der Basis der UNO „Konvention für die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes”. Er wurde zu 46 Jahren Gefängnis verurteilt, eine Strafe 4,6-mal höher als die gegen Hitlers Nachfolger Admiral Karl Doenitz (10 Jahre) und 2,3-mal höher als die gegen Albert Speer (20 Jahre), Hitlers Chefarchitekten.

Niederländische Soldaten des Dutchbat (Kontingent der UN Protection Force) waren die einzigen westlichen Augenzeugen während der Übergabe Srebrenicas an die Serben. Sie berichteten, dass die bosnisch muslimischen Soldaten Srebrenica etwa zwei Tage vorher verlassen hatten. Allerdings hätte sie auch geärgert, dass die flüchtenden muslimischen Soldaten ihre Frauen und Kinder zurückließen. Laut Dutchbat Soldaten, seien zehn muslimische Soldaten von einzelnen Serben hingerichtet worden. Das sind Kriegsverbrechen – aber kein Völkermord. Auch der Befehlshaber der niederländischen Bodentruppen Lieutenant General Hans Couzy hatte keine Hinweise darauf, dass bosnische Serben in Srebrenica Verbrechen begangen hätten, die einem Völkermord ähneln. Und der Befehlshaber des Dutchbat in Srebrenica erklärte, serbische Militärs hätten ihre Operationen korrekt durchgeführt.

Das waren die Aussagen der Militärs. Das konnten die Politiker so nicht stehen lassen und begannen öffentlich die Berichte der militärischen Augenzeugen zu entkräften. Der niederländische Verteidigungsminister, Joris Voorhoeve, der selbst nicht in Srebrenica war, bestand darauf, „dass die Offiziersversion die Möglichkeit von Gräueltaten nicht minimiere“ und behauptete, „was wir wissen, ist, dass mehrere tausend Männer und Jungen vermisst werden, seit die Stadt fiel.“ Der Entwicklungsminister Jan Pronk erklärte, man solle sich nicht durch jene „zum Narren halten lassen“, die sagen, es gäbe noch keine Beweise. „Es sind dort Tausende Menschen ermordet worden. Wir wussten, dass so etwas passieren könnte. Die Serben haben dies mehrere Male getan.“ Wann und wo, bleibt sein Geheimnis, bis heute.

Die NATO-Politiker hatten beschlossen, Serben begingen „Völkermord“. Die EU drängt seitdem darauf, dass diese Version auch von serbischen Amtsträgern selbst bestätigt wird und benutzt die „Anerkennung des Völkermords“ als Druckmittel. Serbische Politiker, die ihr Land unter allen Umständen in die EU bringen wollen, haben sich diesem Druck gebeugt und sich für die vermeintlichen Verbrechen entschuldigt. Doch sie haben sich nicht tief genug verbeugt. Ende November letzten Jahres bedauerten die Damen und Herren des EU-Parlaments in einer Resolution, dass sich einige serbische Politiker immer noch weigerten, den „Völkermord in Srebrenica“ anzuerkennen. Dies sei jedoch „ein grundlegender Schritt auf dem Weg Serbiens zum EU-Beitritt.“

Für Deutschland war Srebrenica von besonderer Bedeutung, um sich des Stigmas der im Zweiten Weltkrieg begangenen Verbrechen zu entledigen. Srebrenica wurde gerne mit Auschwitz verglichen, um die Nazi-Barbarei zu relativieren und zu trivialisieren. Und es lässt die bleibende historische Schuld Deutschlands an dem Aggressionsverbrechen gegen Jugoslawien im Zweiten Weltkrieg und an den 1,6 Millionen jugoslawischen Opfern vergessen.

Erschienen bei RT Deutsch am 8.03.2019