Prinzipien allein wärmen nicht: Europas klammheimliche Rückkehr zu russischem Öl

Von Rainer Rupp

Trotz aller sogenannten westlichen Werte und Prinzipien, die im Propagandakrieg gegen Russland den westlichen Eliten mantraartig von der Zunge kommen, und trotz aller Beschwörungen, nie wieder russisches Öl zu kaufen, passiert in der realen Welt gerade das Gegenteil.

Der russische Senator Dmitri Rogosin analysiert in einem aktuellen Beitrag auf seinem Telegram-Kanal die Energiepolitik Europas mit scharfer Ironie. Lange habe sich der Kontinent eingeredet, ohne russisches Öl auskommen zu können. Die “grüne Transformation” sei angeblich fast abgeschlossen, Tanker mit russischem Öl seien ein Relikt der Vergangenheit, und die nachhaltige Energieunabhängigkeit der EU-Staaten stehe unmittelbar bevor. Doch die Realität, so merkt der ehemalige russische Botschafter zur NATO und Europa-Kenner Rogosin süffisant an, erweise sich – wie so oft – “kälter als die Slogans. Dunkler. Und hungriger.”

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Stimme seiner Klasse – Zum 50. Todestag von Paul Robeson

Von Melina Deymann

Erinnerungen sind eine merkwürdige Sache. Manches hat man glasklar vor Augen, anderes verschwimmt. Ich bin mir zum Beispiel nicht mehr sicher, wie meine Grundschullehrerin ausgesehen hat, weiß aber noch sehr genau, dass sie nicht besonders freundlich war. Und obwohl die Plattensammlung meines Vaters in meiner Kindheit eine große Rolle gespielt hat, erinnere ich mich nur an einige Alben besonders gut. Auf einem von diesen sang ein Mann mit einer markanten, tiefen Stimme. Während ich mir die Plattenhülle angucke, erklärt mein Vater mir (ich war vielleicht vier oder fünf), dass das Lied von einem Mann handelt, der ermordet wurde, weil er sich für die Rechte von Arbeitern eingesetzt hat. Das hat mir Angst gemacht. War mein Vater in Gefahr, weil er in der Gewerkschaft war? Es leuchtete mir aber ein, dass man an so jemanden erinnern muss. Erst als ich viele Jahre später vor dem Geburtshaus von Joe Hill im schwedischen Gävle stehe, wird mir so richtig klar, dass der schwarze Mann auf dem Plattencover nicht der ermordete Arbeiterführer war.

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Putins klare Botschaft an den Westen

Von Rainer Rupp

Auf die private Pause über die russischen Weihnachts- und Neujahrsfeiertage folgte eine “strategische Auszeit” mit Blick auf neue internationale Spannungen. Dann, Mitte Januar, meldete sich Präsident Putin mit einer klaren Botschaft auf der weltpolitischen Bühne zurück.

Um den Jahreswechsel haben interessierte Kreise in Politik und Medien Gerüchte geschürt, Präsident Putin sei vollständig “von der politischen Bildfläche verschwunden”, und behauptet, das habe mit zunehmender Unzufriedenheit in Russland und möglichem Machtverlust zu tun. Tatsächlich gab es eine Phase mit deutlich reduzierten oder gar keinen öffentlichen Auftritten, was jedoch in Russland um die Neujahrsfeiertage und die orthodoxen Weihnachten herum nicht ungewöhnlich ist. Traditionell hat Präsident Putin auch in früheren Jahren vom 29. Dezember bis etwa 8. Januar eine private Auszeit genommen und war nicht öffentlich aktiv. Diesmal sprachen Berichte von einer Abwesenheit von etwa 8 bis 14 Tagen.

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Die falsche Frage: Warum tun Peking und Moskau nichts, um Trump in Venezuela zu stoppen?

Von Rainer Rupp

Ist in Washington der Wahnsinn ausgebrochen? Viele stellen sich diese oder ähnliche Fragen, vor allem aber: Warum greift China nicht in Venezuela ein, wo es doch Investitionen von zig Milliarden Dollar in die venezolanische Infrastruktur und Ölindustrie gesteckt hat?

Die Welt schaute voller Unverständnis zu, wie am 3. Januar US-Spezialkräfte in Caracas einfielen und in einer Kommando-Operation den gewählten Präsident Venezuelas, Nicolás Maduro, und seine Frau in deren eigener Wohnung überfielen, kidnappten und nach New York verschleppten, wo sie beide unter nachweislich falschen Anschuldigungen ins Gefängnis steckten. Tage später droht dieselbe US-Regierung offen mit militärischen Optionen zur Annexion Grönlands und rasselte mit dem Säbel gegen das seit Ende Dezember von Protesten erschütterte Iran, wobei Washington mit Schaum vor dem Mund dem religiösen und politischen Oberhaupt Irans sogar mit der Ermordung drohte.

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PR-Tour für “German Young Leaders”: Wie Israel deutsche Nachwuchseliten beeinflusst

Von Susan Bonath

Berichtsverbote, Überwachung, rechtsextreme Siedler-Propaganda: Eine von Israel finanzierte PR-Reise ins “heilige Land” für deutsche Nachwuchsführungskräfte stieß sogar bei einigen Teilnehmern auf Entsetzen. Und: Um junge “Antideutsche” kümmert sich der Staat besonders intensiv.

Wer gegen Waffenlieferungen nach Israel protestiert und Menschenrechte für seit Jahrzehnten unterdrückte Palästinenser fordert, begibt sich in Deutschland bekanntlich auf dünnes Eis. Da prügelt die Polizei, fahren Medien Hetzkampagnen, drohen Jobverlust und Strafjustiz. Auch 30.000 zerbombte Kinder können der deutschen Staatsräson wohl nichts anhaben, die Bundeskanzler Friedrich Merz am Wochenende wieder zelebrierte. Dass er dem verantwortlichen israelischen Premier Benjamin Netanjahu die Hand schüttelte und dabei das, was Forscher längst als Völkermord bezeichnen, just als “gewisses Dilemma” abtat, ist monströs, doch nicht verwunderlich.

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