Führte Pippi Langstrumpf die NATO-Verhandlungen mit den Russen?

Ist es Überheblichkeit oder Dummheit – oder beides? Sich die Welt so zu machen, wie sie einem gefällt, hat in der internationalen Militärpolitik gefährliche Folgen. Sowohl die USA als auch die NATO-Europäer verkennen bei Verhandlungen in Genf und Brüssel komplett den Ernst der Lage und die Gefährlichkeit für die europäische Sicherheit.

von Rainer Rupp

Wenn man die deutschen oder internationalen Medienberichte über das Russland-NATO-Treffen in Brüssel vom Mittwoch dieser Woche liest, kommt der begründete Verdacht auf, dass bei so viel Übereinstimmung der Inhalte die selbsternannten Qualitätsmedien es sich mal wieder nach altbewährter Methode leicht gemacht haben. Um keinem Politiker zu Hause mit einer eigenen Einschätzung der Dinge auf die Füße zu treten, nimmt man dazu die offizielle Presseerklärung des NATO-Generalsekretärs als Schreibvorlage und präsentiert diese mit kleinen Änderungen unter Berücksichtigung jeweils nationaler Aspekte als “exklusiven Bericht” des eigenen Korrespondenten vor Ort. Und wenn man sich die Presseerklärung der NATO selbst anschaut, dann erkennt man schnell, dass Washington hierbei die Feder geführt hat.

Angesichts der Sorgen vor einem neuen Krieg in Osteuropa habe die NATO einen vorsichtigen Versuch der Wiederannäherung an Russland unternommen, heißt es landauf, landab, und das allein sei schon positiv, egal was dabei rauskommt. Aber von Quasseln und noch mehr Quasseln, ohne dass die NATO auf die berechtigten Sorgen Russlands auch nur um ein Jota eingeht, davon hat Russland genug. Die Russen sind nach Genf und Brüssel gekommen, um die bedrohliche Kette zu sprengen, die US/NATO mit ihrer militärischen Expansion an die russischen Grenzen mit sturer und uneinsichtiger Entschlossenheit unaufhaltsam immer enger ziehen. Damit wird ein für alle Mal Schluss sein, entweder durch Verhandlungen oder mit anderen Mitteln. Das ist die erklärte Position Moskaus.

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Feindschaft und Egoismus – das sind die universellen Werte des Westens

..bei anderen gelesen..

von Dr. Wolfgang Schacht

Über die ständig zunehmende Russophobie des Westens ist im letzten Jahrzehnt so viel gesagt, geschrieben und diskutiert worden, dass inzwischen eigentlich jeder wissen müsste, was hinter dieser beispiellosen Verleumdungskampagne des größten Landes der Welt wirklich steckt [1], [2], [3]. Nach dem heldenhaften Sieg der Sowjetunion über den Hitlerfaschismus, nach der Offenbarung ihrer beispiellosen Verbrechen gegen die Menschlichkeit auf dem Kriegsverbrecherprozess in Nürnberg, nach der weltweiten Verurteilung ihrer Maschinerie der Massenvernichtung und des Genozids in der Sowjetunion wagten es die europäischen Philosophen, Geschichtsfälscher und Politiker nach 1945 noch nicht, von irgendwelchen „universellen westlichen Werten“ in ihrer verkommenen kapitalistischen Welt zu sprechen.

Erst als es gelang,
• die furchtbaren Verbrechen der Nazis aus den Köpfen der heranwachsenden neuen Generationen weitgehend zu verdrängen;
• am 4. April 1949 für den erneuten Kampf gegen die Sowjetunion den aggressiven Militärblock „NATO“ zu gründen;
• am 5. Mai 1949 im Geiste der alten „Freiheits- und Sicherheitsklischees“ (für Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit!), die westeuropäischen Staaten in einem „Europarat“ (Vorgänger der „Europäische Union“) zu vereinen;
• Deutschland zu spalten und am 23. Mai 1949 mit aktiver Unterstützung der alten Nazis das Vierte Deutsche Reich (die BRD) zu gründen [4];
• die Traditionen des Zweiten und Dritten Deutschen Reiches in die am 12. November 1955 gegründete Bundeswehr zu integrieren,
• anstelle des Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Deutschlands, Ernst Thälmann, der von 1933 bis 1944 bei den Nazis im Gefängnis saß und 1944 ohne Gerichtsurteil auf Befehl von Hitler ermordet wurde, den ehemaligen treuen Anhänger von Adolf Hitler, Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg, zur Symbolfigur des antifaschistischen Widerstandes in der BRD zu deklarieren,
• die Sowjetunion und die sozialistische Staatengemeinschaft durch den feigen Verrat, durch Korruption und Hinterlist ihrer Führung zu liquidieren und als es ihnen schließlich auch noch gelang – man höre und staune –
• Stalin und Hitler in der westlichen Welt auf eine Stufe zu stellen und der Sowjetunion die Hauptschuld am Zweiten Weltkrieg zu geben,
da war endlich der Zeitpunkt gekommen, die „neuen universellen Werte“ (Rechtsstaat, Demokratie, Menschenrechte, Pressefreiheit, …) für die Sicherung des weiteren Aufstieges der USA zur einzigen Weltmacht massiv in den Mittelpunkt des weiteren Kampfes gegen Russland zu stellen. Wen interessieren in diesem Zusammenhang die vielen unermesslich grausamen Kriegsverbrechen der USA in Korea (1950), im Libanon (1958), in Laos (1959), in Vietnam (1964), in der Dominikanischen Republik (1965), in Kambodscha (1967), im Iran (1980), im Libanon (1982), in Grenada (1983), in Libyen (1986), in Panama (1989), im Persischen Golf (1991), in Bosnien-Herzegowina (1993), in Haiti (1994), in Jugoslawien (1999), in Afghanistan (2001), in Liberia (2003), im Irak (2003), in Pakistan (2004), in Libyen (2011), in Syrien (2014), im Jemen (2015), … in Afghanistan (2021). Auf keinem einzigen internationalen Tribunal sind diese Kriegsverbrechen als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gebrandmarkt worden. Im Gegenteil, sie werden vom Establishment und ihren Medien noch großmäulig und großkotzig als konkrete Beiträge im Kampf für „Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschenrechte“ deklariert [5], [6].

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Wie der Krieg in der Ukraine verhindert werden kann

In einem Krieg um die Ukraine würden die USA und die NATO nicht nur militärisch verlieren. Um diesen Krieg zu verhindern, rät ein namhafter US-Stratege der Biden Regierung in einer bemerkenswerten Analyse, die ausgerechnet in einer dem US-Militär nahestehenden Publikation erschienen ist, eine dicke und bittere Pille zu schlucken.

von Rainer Rupp

Wie es der Namen schon sagt, steht das US-Internet-Portal “Defence One” dem Militär der Vereinigten Staaten nahe. Dennoch hat jetzt Dr. Lyle J. Goldstein, der an dem sicherheitspolitischen US-Institut “Defense Priorities” (Verteidigungsprioritäten) als Direktor des “Asia Engagement Programm” tätig ist, auf diesem vom US-Militär viel gelesenen Portal einen bemerkenswert friedfertigen Artikel zur Ukraine-Krise am 13. Dezember veröffentlicht. Darin legt der Autor weitgehend korrekt dar, wie sich das Problem aus der Sicht der Russen präsentiert. Zudem räumt er ein, dass die Russen berechtigte Gründe für die Verteidigung ihrer “roten Linien” haben, also auch für ihr Beharren auf dem Ende der stetigen westlichen Militär-Expansion immer näher an die russische Grenze. Nach dem Motto “Bis hierhin und nicht weiter” hat das auch Präsident Putin seinem Gesprächspartner Präsident Biden und damit auch indirekt der NATO ultimativ klargemacht.

Aber die Situation sei nicht so verfahren, wie viele glauben, argumentiert Dr. Goldstein, der vor seiner jetzigen Position bei “Defense Priorities” 20 Jahre lang als Forscher und Professor an der Universität der US-Kriegsmarine “U.S. Naval War College” lehrte. Um den Frieden in Osteuropa zu retten, müsste das sicherheitspolitische Establishment zum Realismus der Realpolitik zurückkehren und nicht länger engstirnig an das eigene Propaganda-Narrativ glauben.

Unter dem Titel: “Wie kann der Krieg verhindert werden” beginnt Dr. Goldstein seinen Artikel mit einer kurzen Beschreibung der Lage, so wie auch wir sie aus den einseitigen Berichten unserer Konzern- und Regierungsmedien kennen, die uns tagein, tagaus mit dem westliche Propaganda-Narrativ der russischen Aggressivität und Kriegsgefahr zudröhnen. Demnach sei es “durchaus denkbar, dass in Europa ein großer Krieg stattfinden wird”, und darüber hinaus sei es “auch möglich, dass sich dieser Krieg schnell auf Asien ausweiten könnte.”

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Nachruf

Unser Genosse und ehemalige Kundschafter

 Lothar Straube

 geb. am 10.04.1934

ist am 28.10.2021 verstorben.

Er war mit seiner Ehefrau Katharina seit 1958 in der BRD im Auftrag der Hauptverwaltung Aufklärung im Einsatz. Lothar war Resident und Katharine Quelle für die Abteilung XV der HVA. Beide haben wertvolle Informationen – zuerst aus den Junkers-Flugzeug-Motorenwerken und später bei MBB beschafft. 1982 wurde die nachrichtendienstliche Zusammenarbeit aus Gründen der Sicherheit eingestellt.

Lothar hat mit Umsicht zuverlässig seine Aufgaben erfüllt. Seiner politischen Überzeugung ist er treu geblieben und war auch nach 1990 eng mit uns verbunden.

Wir werden Lothar Straube als Kundschafter für den Frieden, als Freund und Genossen in guter Erinnerung behalten.

Für die Arbeitsgruppe Aufklärer in der GRH

Karl Rehbaum                                        Eberhard Pätzold

Gespräch zwischen Biden und Putin hat gordischen Knoten der Ukraine-Krise durchtrennt

Die Ukraine-Krise scheint gelöst. Zwar gab es nicht die gleiche dramatische Zuspitzung wie bei der Kuba-Krise, aber strukturell ist sie durchaus damit zu vergleichen. Auch gibt es diesmal einen anderen Gewinner. Zugleich können sich die Machthaber in der Ukraine ihren Traum von der NATO-Mitgliedschaft ein für alle Mal abschminken.

von Rainer Rupp

Aus den Presseerklärungen des Kremls und des Weißen Hauses über das zweistündige Online-Gipfelgespräch zwischen dem russischen und US-amerikanischen Präsidenten geht hervor, dass sich die Diskussion in der Hauptsache um die Ukraine-Krise gedreht hat. Aus der leider sehr kurzen Presseerklärung des Weißen Hauses lassen sich nur wenige Mosaik-Steine herauslesen. Dafür gibt die russische Version mehr Aufschluss. Beide Erklärungen in englischer Sprache sind nachfolgend zu den jeweiligen offiziellen Webseiten verlinkt: hier die US-amerikanische und hier die russische Erklärung.

Im Vorfeld des jüngsten Online-Gipfels hatte Biden jeden Gedanken, irgendwelche roten Linien der Russen zu akzeptieren, kategorisch zurückgewiesen. Damit folgte er der in Washington, D.C. dominierenden Line, dass die alleinige und unverzichtbare Supermacht USA mit den feinsten und stärksten Streitkräften der Welt jederzeit zwar anderen Länder “rote Linien” ziehen kann und darf, sie sich selbst aber so etwas niemals gefallen lassen dürfe. Dementsprechend hatte Joe Biden noch wenige Tage vor dem Online-Treffen den Appell Wladimir Putins für eine US-Garantie der Sicherheit der Grenzen Russlands als vollkommen inakzeptabel beiseite gewischt.

Nach der inzwischen mehr als zwei Jahrzehnte dauernden, unaufhaltsamen Expansion der USA und der NATO in Richtung russischer Grenzen stehen NATO-Panzer nun kaum mehr als hundert Kilometer vor den Toren von St. Petersburg, der zweiten Hauptstadt Russlands. Und mit der Ukraine als Mitglied der NATO würden weitere NATO-Panzer und Raketen ebenfalls an die russische Grenze und hunderte Kilometer näher an Moskau vorrücken. Man muss schon ein verbohrter Kremlfeind sein, um kein Verständnis für die Russen zu haben, wenn sie jetzt ultimativ darauf drängen, dass die USA und die NATO ihnen nicht noch näher auf den Pelz rücken.

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