Stationieren die USA nukleare Mittelstreckenraketen in Rumänien? (Teil 3)

Die auf einer rumänischen Basis stationierten US-Raketen destabilisieren das nukleare Gleichgewicht in Europa. Das angeblich nur auf Verteidigung ausgerichtete Raketenabwehrsystem gefährdet den INF-Vertrag außerordentlich.

von Rainer Rupp

Die mögliche Existenz US-amerikanischer „ballistischer Raketen“ auf der südrumänischen Basis Deveselu zielt auf die Außerkraftsetzung der MAD-Doktrin ab, der „gesicherten gegenseitigen Zerstörung“. Die Erkenntnis, „wer in einem nuklearen Krieg zuerst schießt, stirbt ganz sicher als Zweiter“, hatte trotz eines prekären atomaren Gleichgewichts der Kräfte im Kalten Krieg über Jahrzehnte den Frieden gesichert. Diese US-Alleingänge behindernde Stabilität soll durch den Aufbau der US-Fähigkeiten zu einem nuklearen Enthauptungsschlag gegen Russland unterlaufen werden.

Durch die blitzartige Zerstörung seiner zivilen und militärischen Kommando-, Kontroll- und Kommunikationszentren soll Russland nicht mehr in der Lage sein, einen massiven Vergeltungsschlag zu führen. Vereinzelte doch noch abgeschossene russische Atomraketen könnten durch tief gestaffelte US-Abfangsysteme wie Aegis abgeschossen werden.

Wörtlich schreiben die beiden oben (in Teil II; Anm. d. Red.) zitierten Experten der Nuklearkriegsführung an der US-Luftwaffenuniversität, die Professoren Keir A. Leiber und Daryl G. Press, dass sie aufgrund der Faktenlage zu dem Schluss gekommen seien, “dass die Vereinigten Staaten absichtlich das Ziel des ‘strategischen Primats’ (Vorherrschaft) verfolgen”. Die USA arbeiteten daran, “die Fähigkeit zu erlangen, die Kernwaffen (sowie andere Massenvernichtungswaffen) des Gegners auszuschalten”. Continue reading ‘Stationieren die USA nukleare Mittelstreckenraketen in Rumänien? (Teil 3)’ »

Stationieren die USA nukleare Mittelstreckenraketen in Rumänien? (Teil 2)

Die auf einer rumänischen Basis stationierten US-Raketen destabilisieren das nukleare Gleichgewicht in Europa. Das angeblich nur auf Verteidigung ausgerichtete Raketenabwehrsystem ist nämlich integraler Bestandteil des Strebens der USA nach strategischer Vorherrschaft.

von Rainer Rupp

Die Erwähnung der Existenz US-amerikanischer „ballistischer Raketen“ auf der südrumänischen Basis Deveselu durch den Verteidigungsminister des Landes, Mihai Fifor, am Freitag letzter Woche legt den Verdacht nahe, dass Washington den INF-Abrüstungsvertrag mit Russland über atomare Mittelstreckenwaffen mit Reichweiten untergräbt und Europa mit Macht in einen neuen Kalten Krieg führt.

Als am 13. Mai 2016 der US-Kriegspräsident Obama in Washington die Regierungschefs von Schweden, Dänemark, Finnland, Island und Norwegen empfing, verurteilte er in aller Schärfe “die wachsende Präsenz und aggressive militärische Haltung Russlands in der Ostsee und im Nordmeer”. Zugleich bekräftigt er die US-Verpflichtung zur “kollektiven Verteidigung Europas”. Diese Verpflichtung hatten die USA tags zuvor mit handfesten Fakten unterstrichen, als sie im rumänischen Deveselu die Air Base einweihten, auf der das neue US-Raketensystem “Aegis Ashore” von Lockheed-Martin installiert ist. Continue reading ‘Stationieren die USA nukleare Mittelstreckenraketen in Rumänien? (Teil 2)’ »

Stationieren die USA nukleare Mittelstreckenraketen in Rumänien? (Teil 1)

Der rumänische Verteidigungsminister enthüllt die “direkte und offene Bedrohung” Russlands. Sind ballistische Raketen auf der US-Basis Deveselu Teil von US-Plänen für einen nuklearen Enthauptungsschlag gegen die russische Armee und den Staatsapparat?

von Rainer Rupp

Der noch amtierende Verteidigungsminister des US-Vasallenstaates Rumänien, Mihai Fifor, steht derzeit im eigenen Land im Fokus heftiger Kritik, sowohl von seiner eigenen, „postkommunistischen“, jetzt sozialdemokratisch genannten Partei (PSD) als auch von der bürgerlichen und liberalen Opposition, die den sofortigen Rücktritt des Ministers fordert. Zugleich scheinen Fifors US-amerikanische Puppenspieler verärgert zu sein, während die russische Botschaft in Rumänien den von antirussischem Kriegseifer überquellenden Fifor wegen dessen ungewöhnlich spontanen Ehrlichkeit öffentlich gelobt hat. Was war geschehen?

Zu dem ungewöhnlichen Eklat war es gekommen, nachdem Fifor letzten Freitag in
einer TV-Talkshow über “ballistische Raketen” gesprochen hatte. Die sollen sich nach Aussage des Verteidigungsministers als Teil des angeblich so “friedlichen” AEGIS-Raketen-Systems auf dem von der US-Armee betriebenen und gegen Russland gerichteten südrumänischen Militärstützpunkt Deveselu befinden. Laut dem US-Nachrichtenmagazin Newsweek sagte Fifor wörtlich:

“Offensichtlich wird Präsident Putin nicht sehr erfreut sein, dass in Rumänien sehr ernstzunehmende militärische Fähigkeiten aufgebaut werden. Wie könnte Präsident Putin sich jemals darüber freuen, dass wir in Mihail Kogălniceanu eine Basis mit amerikanischen Soldaten haben und wir darauf bestehen, dass im Rahmen der strategischen Partnerschaft mit den USA die US-Truppen dauerhaft auf rumänischem Boden bleiben? Wie könnte sich Präsident Putin jemals darüber freuen, dass in Rumänien auf dem Militärstützpunkt Deveselu ballistische Raketen stationiert sind?” Continue reading ‘Stationieren die USA nukleare Mittelstreckenraketen in Rumänien? (Teil 1)’ »

Angebot mit vorgehaltener Pistole: US-Flüssiggas für Europa (Teil II)

Laut dem Entwurf eines neuen US-Sanktionsgesetzes will der US-Kongress den Ländern der Europäischen Union die Möglichkeit bieten – so wortwörtlich – „Russlands politischer Nötigung und Manipulation zu entkommen“. Dazu will der US-Kongress notfalls auch die EU-Europäer mit Sanktionen zu ihrem Glück zwingen.

von Rainer Rupp

Nach dem „Schock“ von Helsinki ist eine große Gruppe konservativer US-Senatoren nun eifrig damit beschäftigt, mit neuen anti-russischen Sanktionen Präsident Trump noch rechtzeitig vor dessen nächstem Treffen mit Putin an die Leine zu legen. Dazu haben sie sich ein Kernprojekt der russisch-europäischen Zusammenarbeit im wichtigen Energiesektor als Ziel ausgesucht.

So schlägt Senator Barrasso auf seiner Webseite auch einen griffigen Namen für sein neues Gesetz vor: „Energy Security Cooperation with Allied Partners in Europe Act“, abgekürzt “ESCAPE Act” (Gesetz über die Zusammenarbeit bei der Energiesicherheit der Bündnispartnern in Europa”, mit der bezeichnenden Übersetzung der Abkürzung: „FLUCHT-Gesetz“). Dort heißt es nach Barrasso:
„Dieses Gesetz verbessere die Energiesicherheit der NATO-Mitglieder, indem sie diesen Ländern verlässliche und verbindliche amerikanische Energie zur Verfügung stellt. Außerdem werden Sanktionen gegen die North Stream II-Pipeline sowie gegen andere russische Pipelines verhängt, die Energie exportieren.” Continue reading ‘Angebot mit vorgehaltener Pistole: US-Flüssiggas für Europa (Teil II)’ »

Angebot mit vorgehaltener Pistole: US-Flüssiggas für Europa (Teil I)

Im US-Kongress hat man sich ein neues Sanktionsgesetz einfallen lassen, mit dem Washington die EU an die Leine legen und zugleich Russland schaden kann. Um diese beiden „Fliegen“ mit einer Klatsche zu schlagen, haben die neuen Kalten Krieger vor allem ein Projekt im Visier.

von Rainer Rupp

Nach dem „Schock“ von Helsinki ist eine große Gruppe konservativer US-Senatoren nun eifrig damit beschäftigt, mit neuen anti-russischen Sanktionen Präsident Trump noch rechtzeitig vor dessen nächstem Treffen mit Putin an die Leine zu legen. Daher hat man sich im US-Senat – unter dem Beifall der faschistischen Freunde in der Ukraine und der russophoben Hetzer in Polen – ein Kernprojekt der russisch-europäischen Zusammenarbeit in dem für beide Seiten wichtigen Energiesektor als Ziel ausgesucht.

Bei dem „North Stream 2“ Projekt handelt es sich um eine Pipeline, die unter der Ostsee von Russland nach Deutschland verläuft und deren jährliche Kapazität 55 Milliarden Kubikmeter betragen soll. Sowohl für Russland als auch für die Gas-Abnehmer in der EU hat „North Stream 2“ durch seine Trassenführung am Grund der Ostsee die zusätzliche Attraktivität, dass die russischen Gaslieferungen nicht – wie bei anderen Pipelines bereits öfter geschehen – etwa von der Ukraine illegal angezapft werden kann oder aber von Warschau oder Kiew aus politischen Motiven blockiert werden können. Zugleich sparen Russland und die EU-Abnehmer jedes Jahr Milliarden Euro, die sonst als Transitgebühren an die Ukraine und Polen gezahlt werden müssten. Continue reading ‘Angebot mit vorgehaltener Pistole: US-Flüssiggas für Europa (Teil I)’ »