Weitab vom Schuß und doch getroffen

Genau vor 10 Jahren – am 17. und 18. November 2007 – fand in der dänischen Stadt Odense eine Konferenz statt, die ihres gleichen sucht, wenn es um Aufarbeitung des Kalten Krieges – zu Zeiten als es noch einen realen Sozialismus gab – geht. Die Reaktionen der Medien auf die Konferenz und das Nichtzustandekommens eines gemeinsamen Konferenzprotokolls waren Anzeichen dafür, dass das Anliegen der Veranstalter nicht dem Zeitgeist – insbesondere in der BRD – entsprach. Die Hoffnung auf eine vierte Konferenz aller Beteiligten erfüllte sich nicht. Die eigentlichen “Klitterer der Geschichte” hatten sich durchgesetzt. Ohne Teilnahme von Zeitzeugen finden allerdings sogenannte wissenschaftliche Konferenzen zu nachrichtendienstlichen Inhalten in regelmäßigen Abständen statt. Vor wem hat man hier eigentlich Angst?
Wir haben Wort gehalten und unsere Geschichte in 8 Bänden niedergeschrieben – an dieser Stelle Grund sich bei allen Beteiligten zu bedanken.
Das 10. Jubiläum der Konferenz von Odense ist uns Anlass, mit dem Vorwort unseres Konferenzbandes an sie zu erinnern!

 

Odense liegt auf der Insel Fünen und ist über tausend Jahre alt. Sie war mal für vier Jahre dänische Hauptstadt. Und knapp 150 Jahre später, 1805, kam dort der Märchendichter Hans Christian Andersen zur Welt, der wohl bedeutendste Sohn von Odense. Heute ist der Ort eine moderne, pulsierende Industriestadt mit knapp zweihunderttausend Einwohnern und die Heimat der Syddansk Universitet, mit über 16.000 Studenten die drittgrößte Alma mater des Landes.
Es gibt ein Zentrum für Studien des Kalten Krieges. Wissenschaftler beschäftigen sich dort mit verschiedenen Aspekten der globalen Blockkonfrontation, die mit dem Untergang der Sowjetunion zu Beginn der 90er Jahre endete. Im Unterschied zu den darin Involvierten blicken die Forscher sachlich und unvoreingenommen auf ihren Gegenstand. Der Vorzug der Wissenschaft besteht nämlich darin, nicht ideologischen Vorgaben folgen und Partei ergreifen zu müssen. Für sie ist weiß weiß und schwarz schwarz. Wissenschaft ist, ganz allgemein, der Erwerb von neuem Wissen durch Forschung.
Die methodische Suche nach neuen Erkenntnissen – das Forschen – erfolgt auf unterschiedliche Weise. Wenn es sich um einen zeitgeschichtlichen Gegenstand handelt, gehört dazu auch die Befragung von Zeitzeugen. Im Unterschied zu Dokumenten kann dort beispielsweise nachgefragt werden. Allerdings haben alle Erinnerungen wie auch die Zeugnisse auf Papier Mängel. Keine subjektive Erinnerung ist objektiv. Sie ist weder frei von Einflüssen zum Zeitpunkt des Stattfindens eines Ereignisses noch von späteren Erkenntnissen. Und als der Sachverhalt dokumentiert wurde, kann es auch Abweichungen gegeben haben. Wahrheit oder was dafür ausgegeben oder gehalten wird, ist darum immer nur eine Annäherung. Insofern trifft der geflügelte Satz zu, es gäbe drei Wahrheiten: die historische, die persönliche und die tatsächliche.
Eingedenk dessen luden die dänischen Wissenschaftler zu einer Konferenz, die sich mit der Auslandsspionage der DDR beschäftigen sollte. Dafür war im wesentlichen die Hauptverwaltung A (wie Aufklärung) im Ministerium für Staatssicherheit verantwortlich. Die Institution gibt es seit 1989 nicht mehr, und die Zahl jener, die dort tätig waren und noch auskunftsfähig sind, wird immer kleiner. Die biologische Uhr tickt. Continue reading ‘Weitab vom Schuß und doch getroffen’ »

Destabilisierung um jeden Preis: Washington will Niederlage in Syrien nicht akzeptieren

Die Schreibtischtäter bei CIA und Pentagon wollen sich in Syrien nicht geschlagen geben. Der Plan zum gewaltsamen Regimewechsel wurde noch nicht aufgegeben. Dafür haben sie neue, perfide Strategien ausgearbeitet, um Syrien zu teilen und die Bedrohung durch Terrorbanden aufrechtzuerhalten.

von Rainer Rupp

Die Kriegstreiber in Washington, die für geostrategische, politische oder finanzielle Vorteile über die Leichen ganzer Völker gehen, haben sich in Syrien – dank des entschlossenen Eingreifens von Russland auf Seiten der rechtmäßigen Assad-Regierung – mit ihrem verbrecherischen Abenteuer gründlich verrechnet. Ihre als unbesiegbar dargestellte und mit modernsten westlichen Waffen ausgerüstete Speerspitze gegen Präsident Assad, nämlich die mit mittelalterlicher Brutalität gegen alle Ungläubigen und sonstigen Gegner kämpfende ISIS-Terrorarmee, ist inzwischen weitgehend aufgerieben und hält sich nur noch in kleinen Häufchen in isolierten territorialen Taschen.
Auch die US-Versuche, die von allen Nachbarländern isolierten und von der Türkei sogar bekämpften YPG-Kurden als neue US-Stoßtruppe gegen die Assad-Regierung einzusetzen, ist bereits weitgehend gescheitert und damit auch Washingtons Plan, die öl- und gasfördernde Region im Osten Syriens von der Zentralregierung in Damaskus abzuspalten. Damit wollte Washington zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Assad-Regierung sollte ihrer dringend benötigten Energie-Ressourcen beraubt werden, und die YPG-Kurden sollten dadurch die finanziellen Mittel für die Gründung ihres eigenen Staates bekommen. Continue reading ‘Destabilisierung um jeden Preis: Washington will Niederlage in Syrien nicht akzeptieren’ »

“Das moderate Gesicht von Al-Kaida in Syrien”: US-Magazin Foreign Affairs wäscht Terrorbande rein

Sowohl in Syrien als auch im Irak sind die Tage der Terror-Organisation IS gezählt. CIA und Pentagon träumen trotzdem noch von Regimewechsel in Syrien. Die Medien schwören die US-Öffentlichkeit deshalb auf einen Kuschelkurs mit der dortigen Al-Kaida ein.

von Rainer Rupp

Die Anstrengungen Washingtons, die islamistische Terror-Organisation Al-Kaida in Syrien – besser bekannt unter ihrem Aliasnamen Al-Nusra – zu verharmlosen, sind nicht neu. Damit soll die direkte und offene Militärunterstützung der dschihadistischen Kopfabschneider durch die US-Streitkräfte politisch ermöglicht und gegenüber der eigenen Öffentlichkeit der Eindruck erweckt werden, so etwas wäre zu rechtfertigen.

Ein vorläufiger Höhepunkt des medialen Weißwaschprograms samt Weichspüler für Al-Nusra ist ein Artikel in der international renommierten US-Zeitschrift für Politik, Foreign Affairs; mit dem Titel: “Das moderate Gesicht von Al-Kaida”. Continue reading ‘“Das moderate Gesicht von Al-Kaida in Syrien”: US-Magazin Foreign Affairs wäscht Terrorbande rein’ »

Jetzt auch im Irak: “Ami go home!”

Washington ist zunehmend über den Irak und den Iran frustriert. Bagdad lässt US-Außenminister Tillerson gegen die Wand laufen. Die US-Militärs, die den IS als Vorwand für eine Rückkehr in den Irak genutzt hatten, sollen nach Hause gehen.

von Rainer Rupp

Bei seinem jüngsten Besuch in Saudi-Arabien am 22. Oktober drängte US-Außenminister Rex Tillerson auf engere Beziehungen zwischen der Golfmonarchie und dem Irak. Dabei lockte er den anwesenden irakischen Regierungschef Haider al-Abadi mit großen saudischen Investitionen zum Wiederaufbau des von der US-Kriegsmaschinerie immer noch weitgehend zerstörten Zweistromlandes. Wachsende und starke Beziehung zwischen Saudi-Arabien und dem Irak seien “entscheidend”, um die kollektive Sicherheit in der Region und die Zusammenarbeit im Kampf gegen den Islamischen Staat zu stärken. Das sollte das Zuckerbrot für Bagdad sein.

Dann – offensichtlich immer noch überzeugt von der absoluten Macht des unverzichtbaren Imperiums in Washington, als dessen Vertreter er auftrat – knallte Tillerson mit der Peitsche und versuchte dem irakischen Ministerpräsidenten zu diktierten, dass erstens “alle ausländischen Kämpfer den Irak verlassen” müssten. Damit zielte er auf die kampfstarken Einheiten der Iranischen Revolutionären Garden (IRG), die Teheran auf Bitten der Regierung in Bagdad als Militärhilfe gegen den IS in den Irak entsandt hatte. Continue reading ‘Jetzt auch im Irak: “Ami go home!”’ »

Willenserklärung

Willenserklärung
der Teilnehmer der 11. Protestveranstaltung des OKV zum 3. Oktober 2017 

 

Der 3. Oktober ist auch 27 Jahre nach dem Anschluss der Deutschen Demokratischen Republik kein “Tag der deutschen Einheit”. An diesem Tag wurden nicht zwei Staaten „vereint“, sondern das DDR-Gebiet wurde – ohne das deutsche Volk darüber entscheiden zu lassen – der BRD einverleibt. Die DDR wurde annektiert. Die Nachkriegsordnung wurde beendet.

Viele ältere Teilnehmer dieser Protestveranstaltung haben den faschistischen Weltkrieg am eigenen Leibe erlebt. Sie haben Familienangehörige verloren, barbarische Bombennächte durchlebt und waren Teil der Deutschland durchziehenden Flüchtlingsströme. Sie waren Teilnehmer des antifaschistischen Widerstandskampfes. Sie waren Aktivisten des Aufbaues eines friedlichen Deutschland.

Es ist unerträglich, dass an die Stelle einer aktiven DDR-Friedenspolitik die grundgesetzwidrige BRD-Kriegspolitik gesetzt wurde.

Uns erfüllt mit Abscheu, dass unter der Regierung der BRD Hetze gegen Russland und aktive Kriegsvorbereitung an dessen Grenzen wieder zum politischen Alltag geworden sind.

Dem stellen wir uns mit aller Entschiedenheit entgegen. Continue reading ‘Willenserklärung’ »