Von wegen Geschichtsklitterung

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Dem profilierten DDR-Historiker und MfS-Analytiker Klaus Eichner zum 80. Geburtstag.

Von Frank Schumann

Es war nach der Jahrtausendwende und das Auto unterwegs nach Hoyerswerda. Ein Häuflein Versprengter, ehemalige Genossen diverser Diensteinheiten, wollte mit den beiden über ein aktuelles Buch diskutieren. Die Publikation war wie meist nur der Aufhänger. Bei solchen Zusammenkünften ging es in der Regel um Selbstvergewisserung und Selbstermutigung. Die Revolutionäre von einst wollten sich von den Konterrevolutionären und ihren allgegenwärtigen Hilfstruppen nicht einreden lassen, sie hätten bis ’89 nur Mist gemacht und gehörten darum auf den Müllhaufen der Geschichte. Aber an dieser Überzeugung festzuhalten fiel schwer angesichts der Vereinzelung und des gewaltigen Heulens der Wölfe.

»Ich höre auf«, sagte Klaus Eichner unvermittelt. »Ich fühle mich überfordert. Und außerdem bin ich nicht mehr ganz gesund, wie du weißt.« Gotthold Schramm hinterm Lenkrad schaute unverändert geradeaus und sagte ein paar Kilometer nichts. Dann, ungewöhnlich ruhig und ohne Blick auf seinen Beifahrer: »Ich nehme die Kündigung nicht an!«

Die beiden haben, zumindest in meinem Beisein, nie wieder darüber gesprochen. Und weiter gemeinsam Bücher herausgebracht und vorgestellt. Sie waren – Gotthold Schramm verstarb am 18. Mai vor einem Jahr – jene beiden produktiven Personen der Zeitgeschichte, die als profilierte Insider das wahre Bild von der DDR-Aufklärung vermittelten. Unter anderem waren sie maßgeblich beteiligt an der Entstehung einer achtbändigen Geschichte der HV A. Dafür wurden sie des »Geschichtsrevisionismus« und der »Apologetik« geziehen.

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20 Jahre seit NATO-Angriffskrieg gegen Jugoslawien: Medienlügen (1) – zum Tod von Mira Marković

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Am 14. April 2019 starb Prof. Dr. Mirjana Marković im russischen Exil. Sie war die Witwe des jugoslawischen und serbischen Präsidenten Slobodan Milošević. Ihr Tod war für jene, die sich ohne Scham “Qualitätsmedien“ nennen, willkommener Anlass für den Blick in ihre Archive.

von Klaus Hartmann

In diesen Archiven fanden sie ihre eigenen Feinbildprodukte, mit denen sie von 20, 30 Jahren das Publikum auf die NATO-Aggression gegen Jugoslawien vorbereitet hatten.

Die Stoßrichtung der psychologischen Kriegsvorbereitung ging damals gegen die Serben, wobei umstandslos an die bekannte rassistische Losung vom “slawischen Untermenschen” angeknüpft werden konnte. Ein Land ohne Regierung, aber mit einem “Regime”, und statt eines gewählten Präsidenten mit einem “Diktator” an der Spitze. Über die Methoden und die Gründe, Slobodan Milošević zur Hassfigur, zum Inbegriff des Bösen aufzubauen, wurde hier schon berichtet. Aber es geht noch eine Drehung gehässiger: Dahinter steht meist – und in diesem Fall tatsächlich – eine starke Frau.

Im Kriegsvorbereitungskontext legt “starke Frau” natürlich nahe, dass sie als Einflüsterin ihres Mannes seine Entscheidungen beeinflusste. “Sie zog als kommunistische Universitätsprofessorin in kritischen Momenten seiner Karriere die Fäden im Hintergrund”, erfährt man in der Neuen Zürcher Zeitung. So erinnert man sich von der Nachrichtenagentur AFP bis zur New York Times wieder des Ehrentitels “Lady Macbeth des Balkans”, sie sei “die treibende Kraft hinter dem Aufstieg Miloševićs” gewesen, und “die ehrgeizige Frau ging mit Härte auch gegen politische Gegner vor”.

Die Sprecherin von euronews kann zwar weder den Vornamen Mirjana noch den Nachnamen Milošević unfallfrei aussprechen, verkündet aber gelassen, “er gilt als Hauptverantwortlicher der Balkankriege.” Die New York Times spricht von einem “Paar an der Macht”, das “in Serbien Chaos angerichtet habe”. Slobodan Milošević, Präsident Jugoslawiens, wollte das Land vor der Zerstörung durch westgesponserte Separatisten bewahren, die US-Zeitung macht daraus, er habe das Land “in katastrophale Kriege in Kroatien, Bosnien und im Kosovo geführt” – was man dem US-Publikum mit seinen bekannten Geografie-Kenntnissen vielleicht glaubhaft machen kann.

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20 Jahre seit NATO-Angriffskrieg gegen Jugoslawien (2): Medienlügen und “eingebettete” Journalisten

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Nach den westlichen, auf Krieg drängenden Politikern und ihren bezahlten Regierungs- und NATO-Sprechern verdienen jene besondere Beachtung, die sich gerne als “vierte Gewalt” im Staat feiern lassen: Die Mainstream-Medien mit ihren “eingebetteten” Journalisten.

von Klaus Hartmann

“Eingebettete” Journalisten erlangten wortwörtlich die Lufthoheit und leisteten in Vorbereitung der NATO-Aggression 1999 “ganze Arbeit” – beim “Ruhigstellen” der Bevölkerung. 1996, unter dem Eindruck der Sezessionskriege zur Zerstörung Jugoslawiens, veröffentlichte Mira Beham ihr Buch Kriegstrommeln über das Zusammenspiel von Medien, Krieg und Politik, das Verhältnis von Krieg und Kriegsberichterstattung seit dem Ersten Weltkrieg. In einer Rezension in der Zeit nennt Rudolf Walther “Kriegsberichte … Werkzeug(e) zur Unterdrückung dessen, was jene, über deren Köpfe hinweg entschieden wird, über ihn wissen möchten, sogar wissen müssten – zum Beispiel als Souverän in Demokratien”.

1999, das Jahr der NATO-Aggression gegen Jugoslawien, markiert über diese “ewige Wahrheit” hinaus einen qualitativ weitergehenden Schritt: die Perfektionierung der Strategie eines Informationskrieges. “Für Politiker und Militärs galt der Waffengang im Kosovo als gelungener Testfall für künftige ‘Information Operations’, einen elementaren Bestandteil der neuen ‘Information Warfare’-Strategie”, schrieb Elvi Claßen im Oktober 1999 auf telepolis. “Noch nie zuvor war die militärisch-politische Informations-Intervention im Krieg so vielschichtig und umfassend, so aggressiv und effektiv wie während dieses Krieges.”

Für Viele überraschend strahlte die ARD am 8. Februar 2001 die investigative Dokumentation von Jo Angerer und Mathias Werth aus: “Es begann mit einer Lüge. Wie die NATO im Krieg um Kosovo Tatsachen verfälschte und Fakten erfand”. Auf der Seite des Kasseler Friedensratschlags wurde kommentiert:

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Das Ende der DDR: »Die Partei wollte nichts mehr von uns wissen«

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Vorabdruck: Die Abwicklung der »Stasi«. Heinz Engelhardt im Gespräch mit Peter Böhm

Heinz Engelhardt, geboren 1944, war der erste und zugleich letzte Chef des DDR-Verfassungsschutzes, der indessen nur auf dem Papier existierte. Am 15. Januar 1990 wurde Engelhardt, zuletzt im Rang eines Generalmajors, vom Vorsitzenden des Ministerrats der DDR, Hans Modrow, mit der Vollmacht ausgestattet, das Amt für Nationale Sicherheit (AfNS), hervorgegangen aus dem Ministerium für Staatssicherheit, »in all seinen Gliederungen aufzulösen«. Am selben Tag also, als die im Herbst 1989 gegründete Bürgerbewegung »Neues Forum« zur Demonstration gegen die »Stasi« bzw. »Nasi« aufrief. Engelhardt hat sich zu den damaligen Ereignissen in einem umfangreichen Gespräch mit Peter Böhm geäußert, das in den kommenden Tagen unter dem Titel »Der letzte Mann. Countdown für das MfS« im Verlag Edition Ost erscheinen wird. Wir veröffentlichen daraus einen Auszug. (jW)

Am 15. Januar 1990 rief die Bürgerbewegung »Neues Forum« zu einer Demonstration vor der Ruschestraße 103, der Zufahrt zum Komplex des MfS in Berlin-Lichtenberg auf …

Vor Beginn der für 17 Uhr anberaumten »Demonstration« heizte der »Zentrale Runde Tisch«, dessen Sitzung live im Fernsehen übertragen wurde, die Stimmung noch mächtig an. Es wurden Zahlen über Mitarbeiter und Bewaffnung des MfS ohne jede sachliche Grundlage in die Welt gesetzt. Das brachte natürlich die Volksseele zum Kochen. Die Demonstration »mit Phantasie und ohne Gewalt«, zu der die Veranstalter aufriefen, drohte zu kippen. Zumal die Demonstranten aufgerufen wurden, Steine und Mörtel mitzubringen. Man wolle uns einmauern, wenn wir den Komplex nicht freiwillig verlassen würden. Wir hatten keinerlei Erfahrungen mit derartigen Situationen. Festgelegt wurde, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Gebäudekomplex um 15 Uhr zu verlassen haben und nur eine Handvoll Freiwilliger bleiben dürfe – so ist es dann auch geschehen.

Wie verbrachten Sie den Tag? Wussten Sie am Morgen, dass am Abend Geschichte geschrieben würde?

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„Die Welt braucht Frieden statt Kriegsbündnisse“ – Aufruf zum Ostermarsch 2019

von Tilo Gräser

Die lokalen und regionalen Gruppen der bundesdeutschen Friedensbewegung rufen zum traditionellen Ostermarsch auf. Gegen Krieg und Aufrüstung, für Frieden und Entspannung – dafür werden auch in diesem Jahr Zehntausende bundesweit zu Ostern auf die Straßen gehen. In Berlin macht der Aufruf dazu klar: „Nein zur Nato!“
Der Austritt aus der Nato gehört zu den Forderungen des diesjährigen Ostermarsches in Berlin am kommenden Samstag. Hauptforderung ist wie bei den anderen bundesweit rund 40 Veranstaltungen dieser Art zu Ostern „Abrüsten statt Aufrüsten“. Die Ostermärsche der bundesdeutschen Friedensbewegung gibt es seit mehr als 50 Jahren.

In Berlin wird am Ostersamstag gegen die nun 70-jährige Nato als Kriegsbündnis protestiert. Das kündigte Mitorganisatorin Laura von Wimmersperg von der Berliner „Friedenskoordination“ (Friko) gegenüber Sputnik an. „Die Menschen wissen und fühlen, dass die Situation brenzlig ist“, erklärte sie. Daher rechne sie mit gutem Zuspruch am Samstag.

„Die Welt braucht Frieden statt Kriegsbündnisse“, so der Aufruf zum diesjährigen Ostermarsch in Berlin. In diesem wird an die Geschichte der Nato erinnert, die trotz des Endes des Kalten Krieges 1989/90 weiterexistiert. Der Krieg des westlichen Bündnisses vor 20 Jahren gegen Jugoslawien habe offengelegt, dass es sich dabei um „ein weltweit operierendes Angriffsbündnis“ handelt.

Gegen Nato-Aufmarsch und Bedrohung Russlands
Ebenso wird an die weiteren Kriege und Interventionen der westlichen Staaten unter Führung der USA und ihrer Verbündeten erinnert. „Heute steht die Welt vor den Scherben dieser völkerrechtswidrigen Politik, Regierungen anderer Länder zu stürzen, von Afghanistan, Irak, Libyen bis Syrien“, heißt es im Aufruf. Und weiter: „Die Bundesrepublik bedient sich der Nato und der EU-Militarisierung, um ihre Einflusszonen zu erweitern und sich ihren ‚Platz an der Sonne‘ bei der Aufteilung der Welt zu sichern. Inzwischen beteiligt sich die Bundeswehr an 14 Auslandseinsätzen.“


Hier weiterlesen: https://de.sputniknews.com/gesellschaft/20190417324719415-ostermarsch-2019-friedensbewegung-berlin/

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