Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen

Für die USA ist das Spionieren »unter Freunden« nichts Neues. Lange hat die Bundesregierung mit der Drei-Affen-Strategie reagiert. Gibt es etwas zu verbergen?

von Rainer Rupp

Die deutschen Geheimdienste vom BND bis zum sogenannten Verfassungsschutz stellen sich dumm. Die politische Führung in Berlin ebenso. Unvorstellbar, daß die US-Amerikaner, der Deutschen teuerste Freunde, hierzulande spionieren. So die offizielle Haltung bis vor kurzem. Aber daß sie genau das tun, hatte im Jahr 1993 bereits der damalige Direktor der CIA, James Woolsey, in aller Öffentlichkeit bekannt. Er sagte, nach dem Ende des Kalten Kriegs haben die politische und die Wirtschaftsspionage eine neue Priorität für den US-Geheimdienst. Wörtlich fügte er hinzu, dies bedeute »natürlich auch das Ausspionieren von Verbündeten wie Japan, Deutschland und Frankreich«. Continue reading ‘Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen’ »

Aus dem Leben unserer Kundschafter: Siegfried Wenzel

Siegfried Wenzel: Vietminh-Kämpfer – Flughafenleiter – Kundschafter 

Duc Viet, Major im Generalstab der Vietnamesischen Volksarmee und Chef der Flugsicherung des halbwegs fertig gestellten Flughafens von Hanoi, bestieg im Winter 1956 einen Eisenbahnzug, welcher ihn nach Deutschland bringen sollte. Duc Viet war blond und hieß, als er noch Obergefreiter der deutschen Luftwaffe war, Siegfried Wenzel.

Dieser Zug, inzwischen der siebte und damit letzte Transport, brachte einstige Angehörige der französischen Légion Étrangére, welche während des Indochinakrieges in Gefangenschaft geraten waren, zurück nach Europa. Konkret in die DDR. Die Rückkehr der »verlorenen Söhne« ging auf langjährige Korrespondenz zurück. Viele der kriegsgefangenen deutschen Fremdenlegionäre hatten sich an Präsident Wilhelm Pieck mit der Bitte gewandt, die DDR möge sich für ihre Freilassung einsetzen. Dies hatte sie getan, und die wechselseitige diplomatische Anerkennung im Vorjahr hatte die Sache befördert. Continue reading ‘Aus dem Leben unserer Kundschafter: Siegfried Wenzel’ »

Der NATO-Gipfel und die Krise in der Ukraine – einige Gedanken:

Die NATO erklärt sich permanent zum Hort des Friedens und wäre es auch, wenn sie sich an ihr Gründungsdokument, den „Nordatlantikvertrag“ vom 04.04.1949 halten würde.

Der Artikel I des Vertrages lautet:  

„Die Parteien verpflichten sich, in Übereinstimmung mit der Satzung der Vereinten Nationen jeden internationalen Streitfall, an dem sie beteiligt sind, auf friedlichem Wege so zu regeln, dass der internationale Friede, die Sicherheit und die Gerechtigkeit nicht gefährdet werden, und sich in ihren internationalen Beziehungen jeder Gewaltandrohung oder Gewaltanwendung zu enthalten, die mit den Zielen der Vereinten Nationen nicht vereinbar ist.“   Continue reading ‘Der NATO-Gipfel und die Krise in der Ukraine – einige Gedanken:’ »

Kriegslügen und Präsidentenangst (Teil 1)

Zwei ehemalige hochrangige CIA-Mitarbeiter stellten sich am 16. September 2015 in Berlin der Frage: „Wie werden heute Kriege gemacht?“

Die Antwort sei einfach, so Ray McGovern, früherer Chefanalytiker der CIA für die UdSSR und Russland, im übervollen „Sprechsaal“ in Berlin: „Mit Lügen, Lügen und Lügen.“ Angesichts der aktuellen Situation könne die Frage auch heißen: „Wie werden Flüchtlinge gemacht?“ McGovern war gemeinsam mit Elizabeth Murray, ehemalige CIA-Analytikerin u.a. für den Irak, von verschiedenen Organisationen nach Deutschland eingeladen worden. Berlin war eine von mehreren Stationen, auf denen die beiden Mitglieder der Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS) über die heutigen Ursachen und Gründe für Kriege aufklärten. Sie hätten sich vorgenommen, im Ruhestand weiter die Wahrheit zu sagen und für diese einzutreten, so McGovern. Auslöser sei dafür u.a. gewesen, dass sie miterlebten, wie der Beruf der Nachrichtendienstanalytiker und deren „ehrliche Arbeit“ zunehmend durch korrupte US-Präsidenten und Geheimdienstchefs in Verruf geriet. Sie seien bezahlt worden, um die Wahrheit zu sagen, nicht um Politikern nach dem Munde zu reden. Continue reading ‘Kriegslügen und Präsidentenangst (Teil 1)’ »

Retourkutschen sind tückisch

Rainer Rupp über »Able Archer«, seine Arbeit im NATO-Headquarter, den Syrien-Krieg und den Konflikt mit Russland

Er war Anfang der 1990er Jahre der meistgesuchte Mann, der damalige Bundesanwalt sprach von der »größten Suchaktion der Dienste in der Nachkriegszeit«. Rainer Rupp, der unter dem Decknamen »Topas« für die HVA der DDR hochbrisante Informationen aus dem Hauptquartier der NATO in Brüssel lieferte, wurde 1993 verhaftet und vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu zwölf Jahren Haft verurteilt; er kam im Jahr 2000 frei. Mit dem Superspion, der am kommenden Montag 70 wird, sprach Karlen Vesper. Continue reading ‘Retourkutschen sind tückisch’ »