Nachruf Von Frank Schumann
Friedrich Wolff lief selten Gefahr, mit dem deutschen Schriftsteller gleichen Namens verwechselt zu werden. Er war einfach zu leise. Und zu bescheiden. Das ist heute bei Anwälten anders. Sie sind oft laut und suchen die Nähe von bekannten Personen. So kommt man in die Zeitungsspalten und zum Titel »Prominentenanwalt«. Wolff vertrat ziemlich bekannte Leute, und dementsprechend wurde er denn in der bundesdeutschen Gegenwart auch wahrgenommen. Als Honecker-Anwalt. Dabei war er in der DDR längst einem Millionenpublikum bekannt. Das Adlershofer Fernsehen präsentierte einmal im Monat, an einem Donnerstag, die Sendung »Alles, was Recht ist«. Erfunden hatte die Ratgebersendung Friedrich Karl Kaul, zu Beginn der 80er Jahre übernahm sein Kollege Wolff. Auf leicht verständliche, unterhaltsame Weise wurden Rechtsfragen erläutert, die Zuschauer geäußert hatten. Es heißt, dass in den 70er und 80er Jahren etwa eine Million Briefe die Redaktion erreicht hätten. Auch darin drückte sich Popularität aus. Nicht zu reden vom Rechtssystem, das auf diese Weise dem Volk transparent gemacht wurde.
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