Ein Pazifist in Uniform

Am 2. Mai verstarb der Antifaschist, Friedenskämpfer und Kommunist Heinz Keßler im Alter von 97 Jahren in Berlin.

Ein Nachruf

Von Frank Schumann

Heinz Keßler während der Festveranstaltung »70 Jahre junge Welt« im Februar in Berlin

Heinz Keßler während der Festveranstaltung »70 Jahre junge Welt« im Februar in Berlin                             Foto: Gabriele Senft

Obgleich er die längste Zeit seines Lebens Uniform trug, war Heinz Keßler kein Militär. Er war Politiker. Einer der angenehmen Art – uneitel, verständnisvoll, aufgeschlossen, unorthodox. Obgleich er die Gabe hatte, selbst die Uhrzeit so anzusagen, als handele es sich um ein hochrangiges Kommuniqué. Wirklich Wichtiges vermochte er aber mit einer so beiläufigen Leichtigkeit mitzuteilen, dass man vom Glauben abfallen konnte. Ich entsinne mich einer Wählerversammlung Mitte der 80er Jahre in einem Bernauer Jugendklub. Es war die hohe Zeit des Kalten Krieges, atomar bestückte Kurz- und Mittelstreckenraketen auf beiden Seiten der Grenze waren in Stellung gebracht worden. Und da sagte der Verteidigungsminister der DDR den ungeheuerlichen Satz: »Sollte die NVA in einem Ernstfall ausrücken müssen, hätte sie bereits ihren Klassenauftrag verwirkt – der lautet nämlich Frieden sichern und keineswegs Krieg führen!«

Die Aussage war mehr als vernünftig, aber offenkundig nicht Gemeingut. Wenig später zog ich für vier Wochen in ein NVA-Objekt bei Burg in der Nähe von Magdeburg (damals hieß sie »Waldfrieden-Kaserne«, die Bundeswehr taufte sie 1993 auf Carl von Clausewitz). Wir probten im Sandkasten Panzervorstöße in der Norddeutschen Tiefebene und diskutierten über die Führbarkeit eines begrenzten Atomkrieges, und ich rief den Autoritätsbeweis dazwischen: Alles Unsinn, wer als erster schießt, stirbt als zweiter, und der Minister hat gesagt, dass … Continue reading ‘Ein Pazifist in Uniform’ »

Zum 110. Geburtstag von Ruth Werner

Kommunistin, Kundschafterin, Internationalistin, Mutter und Schriftstellerin

Als ich etwa 1956 in der DDR-Frauenillustrierten „Die Frau von heute“ den Vorabdruck des 1958 erschienen Buches „Ein ungewöhnliches Mädchen“ als Fortsetzung las wusste ich nicht, niemand in der DDR, wer sich hinter dem Namen Ruth Werner verbarg. Heute meine ich, das Buch begleitete mich ein Leben lang, so wie auch vieler junger Sozialisten. Wie sagt man: Es hinterließ gewaltige Spuren.

Ruth Werner schrieb in der Ausgabe des „Neuen Deutschland“ vom 19./20. November 1977: „Auf den letzten Seiten von „Sonjas Rapport“ teile ich mit, wie dieser Bericht entstanden ist: Unsere Partei bat mich und auch andere alte Genossen, ihre Erinnerungen aufzuschreiben. Ich fand das gut. Zu vieles aus der Vergangenheit geht uns verloren. Doch dann fiel es mir schwer, die lang geübte Disziplin des Schweigens zu brechen, besonders als die Aufgabe hinzukam, die Erinnerungen an zwanzig Jahre Kundschaftertätigkeit zur Veröffentlichung vorzubereiten.“ Continue reading ‘Zum 110. Geburtstag von Ruth Werner’ »

Russophobie im Bundestag

Am 28.04.2017 veröffentlichte „Sputnik Deutschland“ einen Artikel mit der Überschrift „Ein Trauerspiel im Bundestag: Mehrheit lehnt besseres Verhältnis zu Moskau ab.“

Trauerspiel ist hier m. E. die falsche Bezeichnung, richtiger wäre dies als Skandal zu bezeichnen.

Worum geht es ?

Die Fraktion „Die Linke“ hat unter der Bezeichnung „Für eine neue Ostpolitik Deutschlands“ einen Antrag eingebracht, und dieser wurde von Union, SPD und Bündnis 90 / Die Grünen in der Debatte am 27.04.2017 abgelehnt.

Der Linken geht es um eine Verbesserung der deutsch – russischen Beziehungen, den Abbau von Spannungen und letztlich um die Sicherung des Friedens in Europa. Vorgeschlagen wurde, die Bundesregierung aufzufordern, Gedanken und konkrete Schritte für eine Verbesserung der deutsch – russischen Verhältnisse vorzulegen, im Rat der EU die Verhängung von Sanktionen abzulehnen und eine Konzeption für eine neue Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit zu erarbeiten. Alles akzeptierbare, vernünftige Vorschläge für eine „neue Ostpolitik“. Continue reading ‘Russophobie im Bundestag’ »

Aufmarsch gegen Nordkorea: Nukleare Einsatzdoktrin Pjöngjangs geht auf Libyen-Erfahrung zurück (III)

Pjöngjangs Atomwaffen dienen der Abschreckung und Abwehr von Aggressionen. Zu diesem Schluss kam bereits 2013 auch der wissenschaftliche Dienst des US-Kongresses (CRS). Die NATO-Aggression gegen Libyen war Nordkorea allerdings eine Lehre.

von Rainer Rupp

Die nuklearen Fähigkeiten Nordkoreas [Demokratische Volksrepublik Korea – DVRK] dienten “mehr der Abschreckung von Angriffen und dem internationalen Ansehen des Staates als der Führung eines Krieges”. Zu diesem Schluss kam im Frühling 2013 der CRS, seines Zeichens der wissenschaftliche Dienst des US-Kongresses.

In seiner viel beachteten Studie über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm fasste dieser unter anderem die gemeinsame Beurteilung aller (!) US-Geheimdienste zusammen, die der Director of National Intelligence, Dennis Blair, in seiner jährlichen Einschätzung der Bedrohungslage (Annual Threat Assessment) vom 31. Januar 2013 dem Geheimdienstausschuss des US-Senats vorgetragen hatte. Continue reading ‘Aufmarsch gegen Nordkorea: Nukleare Einsatzdoktrin Pjöngjangs geht auf Libyen-Erfahrung zurück (III)’ »

Rainer Rupp: Operation “Gotham Shield” simuliert heute Abwurf einer Atombombe auf Manhattan

Da bahnt sich etwas an im Staate Amerika: Am heutigen Mittwoch soll der Abwurf einer 10 Kilotonnen schweren Atombombe auf Manhattan simuliert werden. Die Information veröffentlichte der Blogger Marc Slavo. Die streng geheime Operation nennt sich “Gotham Shield” und findet parallel zur Krise mit Nordkorea statt. RT-Experte Rainer Rupp befasst sich mit dem merkwürdigen Zufall in seinem neuen Videoformat.

Siehe Video bei RT Deutsch