Erinnerungen..

..an die Konferenz in Odense/Dänemark am 16./17. 11. 2007 zu “Geschichte, Aufgaben, Einsichten der HV A”, die in diesen Tagen vor genau 6 Jahren stattfand.

Die Konferenz hatte eine lange Vorgeschichte. In die Gespräche hierzu waren einbezogen: Helmut Müller-Enbergs, Mitarbeiter in der Forschungsabteilung der damals unter Leitung von Frau Birthler stehenden Behörde, der zu diesen Gesprächen bevollmächtigt war, Thomas Wegener Friis,  Assistant  Professor an der Universität Odense, Sektion zur Erforschung der Kalten Krieges und der Autor dieses Beitrags, ehemaliger Abteilungsleiter der HV A. Continue reading ‘Erinnerungen..’ »

Aus der Briefmappe von „RotFuchs“…

…Unlängst habe ich Bernd Fischers Buch “Der Große Bruder” erhalten und es gleich mit lebhaftem Interesse gelesen. Dabei wurde ich in längst vergangene Zeiten meiner Tätigkeit in der DDR und zu meinen alten Freunden zurückversetzt. Dieses Buch ist die erste wirklich gründliche Darstellung des Entstehens und der Entwicklung einer langjährigen, äußerst engen Zusammenarbeit zwischen den Aufklärungsorganen der UdSSR und der DDR. Bernd Fischer vermochte nicht nur ein objektives Bild der wirklich brüderlichen Zusammenarbeit zu vermitteln, sondern auch den Geist der Arbeitsatmosphäre zwischen Mitarbeitern beider Dienste zu schildern.

Die DDR-Aufklärung war einer der effektivsten Nachrichtendienste der Welt. Die hochwertigen Informationen der HV A des MfS – z. B. über aggressive NATO-Pläne und die Wiederaufrüstung der BRD – waren von größter Bedeutung für die UdSSR und das gesamte sozialistische Lager. Die Einschätzung des Chefs der sowjetischen Aufklärung W. A. Krjutschkow trifft völlig zu: „Die DDR-Aufklärung hat für uns weit mehr getan …“

Ich habe natürlich, lieber Klaus, auch Deinen Artikel im Februar-„RotFuchs“ über das Fischer-Buch gelesen und bin mit Dir völlig einer Meinung.. ..

..Als Sekretär der Vereinigung ehemaliger Kundschafter der UdSSR übermittle ich Euch freundschaftliche Kampfesgrüße.

Oberst a. D. Vitali Korotkow, Moskau

Siehe auch Buchempfehlung “Der Große Bruder”

Konferenz in Odense – ein Rückblick

Vor 6 Jahren, am 17./18. November 2007 fand an der Süddänischen Universität in Odense die internationale wissenschaftliche Konferenz

“Hauptverwaltung A: Geschichte – Aufgaben – Einsichten”

statt. Hier ein kurzer Rückblick.

Zur Vorgeschichte der Konferenz:

Im November 2001 führte die Birthler-Behörde in Berlin-Dahlem eine Konferenz zum Thema: „Stasi im Westen: Geheimdienste und Politik im deutsch-deutschen Verhältnis“ durch. Dort traten nur Referenten der Behörde bzw. handverlesene Publizisten und Historiker auf. Vertreter des MfS waren nur als Zuhörer geduldet.

Im Jahre 2002 sollte nach den Vorstellungen der Birthler-Behörde eine Podiumsdiskussion über die Kundschafter der DDR stattfinden. Als Thema war vorgesehen: „Kundschafter und Patrioten – Bundesbürger im Dienst der Stasi“. Einige „ausgewählte“ Vertreter der HVA sollten daran teilnehmen. Als ehemalige HVA-Mitarbeiter als Bedingung ihrer Teilnahme darauf bestanden, dass mindestens ein Kundschafter der DDR im Podium vertreten sein müsse, wurde dieses Projekt durch die Birthler-Behörde fallengelassen.

Die Arbeitsgruppe Aufklärer der GRH führte dann am 7. Mai 2004 mit Unterstützung des Berliner Alternativen Geschichtsforums die internationale Konferenz „Spionage für den Frieden?“ in Berlin-Kreuzberg durch. Dazu liegt ein Konferenzband vor. Es traten Vertreter ausländischer Geheimdienste, renommierte Historiker und leitende Mitarbeiter der HVA/des MfS auf – aber Vertreter der Birthler-Behörde nahmen nicht teil.

Ab 2006/2007 gab es eine erste Initiative für eine gemeinsame Konferenz, wesentlich getragen u.a. durch Helmut Müller-Enbergs (Birthler-Behörde) und den dänischen Historiker Thomas Wegener Friis. Es erfolgte eine regelmäßige Abstimmung mit Vertretern der HVA und die Zusicherung einer fairen Behandlung teilnehmender Mitarbeiter und Kundschafter. Das Konzept und die organisatorischen Vorbereitungen waren für den Juni 2007 in Berlin abgestimmt. Die Absage, vorwiegend inspiriert von der Birthler-Behörde und von Vertretern der Berliner CDU führte zu Reaktionen bei der Süddänischen Universität mit der Grundaussage: Wir wollen diese Konferenz im Interesse der Freiheit der Wissenschaft – wenn das in Deutschland nicht möglich ist – dann in Dänemark. (Siehe auch Interview mit Dr. Thomas Wegener Friis in der “jungen Welt” vom 12.06.2007)

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»Waren wir überhaupt auf derselben Konferenz?«

“junge Welt” vom 30.11.2007 / Ausland / Seite 8 /

Aufklärung in Odense trug zu kritischer Analyse bei. Verfälschendes Bild in deutschen Medien.

Ein Gespräch mit Birgitta Almgren

Interview: Peter Steiniger

Prof. Dr. Birgitta Almgren leitet ein Forschungsprojekt über die Beziehungen Schweden-DDR an der Hochschule Södertörn, University College in South Stockholm, Schweden.

Sie haben am 17./18. November an der Konferenz des »Zentrums für Studien des Kalten Krieges« der Süddänischen Universität über die Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) der DDR-Staatssicherheit teilgenommen …

Ich stehe mit dem Organisator der Tagung, Thomas Wegener Friis, über ein Netzwerk von DDR-Forschern in Kontakt. Ich nahm gemeinsam mit meinem Mann teil, für den als Schulbuchautor das Thema ebenfalls sehr interessant ist. Es war wirklich eine einmalige Gelegenheit, die damaligen Akteure selbst sprechen zu hören.

Die Birthler-Behörde hält es nicht für legitim, ehemalige DDR-Geheimdienstler als Zeitzeugen anzuhören. Ist das mit seriöser Forschung vereinbar?

Ein Ziel der Konferenz war es zu beleuchten, wie ein Nachrichtendienst arbeitet, dies bleibt ja sonst geheim – in diesem Fall in einem parteigesteuerten System. Jetzt konnten die HVA-Leute frei reden, da ihr Staat nicht mehr existiert. Ich finde, es ist wichtig, alle Perspektiven zu hören. Und dann ist es ja unsere Aufgabe als Wissenschaftler, die verschiedenen Argumente kritisch zu analysieren.

Es geht für die Wissenschaft nicht um Schuldbekenntnisse. Es geht gerade darum, daß die Aussagen der Referenten aus der früheren HVA Aufschlüsse geben über die Funktion und die Rolle der Ideologie für ihre Mitwirkung bei diesem Dienst. Ihre Vorträge zeigten auch, wie die Sprache als Ideologieträger funktioniert – und immer noch präsent ist.

Die großen deutschen Medien wetteifern darum, die Konferenz als eine Showveranstaltung unverbesserlicher Stasileute darzustellen. Wie war ihr Eindruck?

Ich habe einige dieser Artikel gelesen und kann das überhaupt nicht nachvollziehen. Mit Blick auf die Verfasser frage ich mich: Waren wir auf derselben Konferenz? Die Zeitungen stürzen sich auf irgendwelche provozierenden Äußerungen von Zugereisten in den Pausen, die nichts mit den Vortragenden zu tun haben.

Was hat die Tagung für die DDR-Forschung gebracht?

Ich fand die Kombination von jüngeren Forschern und damaligen Insidern sehr fruchtbar. Auch Opfer sind zu Wort gekommen. Die ehemaligen HVA-Leute haben die Rolle der Ideologie, die Funktion der Feindbilder des Kalten Krieges sichtbar gemacht, die Angst vor einem Atomkrieg und wie sie ihre Arbeit als Beitrag zur Erhaltung des Friedens betrachteten. Darüber erfahren wir nichts von diesen Journalisten. Es ist wichtig, nicht nur die politischen Machtstrukturen zu analysieren, sondern auch die Denkweisen, das Weltbild der damaligen Akteure.

Konnte die Konferenz den Wissensstand über die HVA voranbringen?

Ja, das finde ich. Im übrigen war es nicht so, daß die Stasi-Offiziere die Konferenz dominiert haben. Im Gegenteil – das waren die jüngeren Forscher aus der Bundesrepublik, aus den Niederlanden oder den USA. Professor Michael Scholz von der schwedischen Universität Visby, spezialisiert auf den Propagandakrieg, hat eine überwältigende Forschungsperspektive beigesteuert.

Haben die HVA-Zeitzeugen Einblicke in ihre damalige Arbeitsweise ermöglicht?

Gabriele Gast zum Beispiel hat konkret berichtet, wie sie damals in den Bundesnachrichtendienst eingeschleust wurde. So etwas kann man so direkt in keinen Akten nachlesen.

Dem Historiker Helmut Müller-Enbergs von der Birthler-Behörde, der privat teilnehmen wollte, wurden Konsequenzen angedroht. Ihr Urteil dazu?

Aus schwedischer Sicht sage ich, solche Konferenzen mit verschiedenen Perspektiven müssen möglich sein. Auch auf dieser ist deutlich geworden, daß die DDR eine Parteidiktatur war. Das haben die Stasi-Referenten sogar bestätigt.

Wegener Friis wirft im nachhinein den Referenten Propaganda »für ihre alten Glaubenssätze« vor. Können Sie das nachvollziehen?

Nein, das Verdienst der Konferenz war doch gerade, daß die Geschichte der DDR multiperspektivisch von Forschern und Zeitzeugen beleuchtet wurde. Die Stasi-Referenten haben dargelegt, wie es damals war und wie sie es heute sehen. Irgendwelche Schuldbekenntnisse waren überhaupt nicht Sinn der Sache.

 
Link zum Originalartikel in “junge Welt”

Die Häscher warten in Deutschland auf Edward Snowden

Frau Bundeskanzlerin und die Bundesregierung lassen sich seit Monaten von ihrem engsten außenpolitischen Freund und Partner, der US-Regierung, durch den Ring führen, bestehen nicht auf einer kurzfristigen Klärung des von Edward Snowden aufgedeckten weltweiten Spionageskandals und entschuldigen immer wieder die empörende Haltung der US-Regierung. Maßstäbe und Werte der bürgerlichen Demokratie finden plötzlich keine Anwendung mehr und bleiben als Forderung z. B. nur gegenüber Rußland, China und Kuba bestehen. Continue reading ‘Die Häscher warten in Deutschland auf Edward Snowden’ »