Ein Ruf an das Gewissen

von Bruno Mahlow

In diesen Tagen bewegten und erschütterten mich zwei Erlebnisse, denen ich hier einige sehr persönliche Zeilen widmen muss. Da ist zum einen der „Brief der Veteranen und Kinder des Großen Vaterländischen Krieges an die Regierung und das Volk Deutschlands“ und zum anderen die Reaktionen sowie die leider verbreitete Nichtreaktion bzw. Gleichgültigkeit gegenüber diesem Zeitdokument.

Der Brief der Veteranen ist ein Aufschrei der Enttäuschung und Verbitterung, aber auch eine Mahnung zur Erinnerung.

Ich bin Kind deutscher Emigranten, geboren in Moskau. Ich bin ein Kind des Krieges – des Großen Vaterländischen Krieges der Sowjetunion. (Diesen Status haben in Russland und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken Menschen, die zwischen 1927 – 1945 geboren wurden und den Krieg überlebt haben.)

Meine Eltern waren Kommunisten und Antifaschisten. Mein Vater musste sich als kommunistischer Abgeordneter in Berlin-Kreuzberg bereits im Januar 1933 vor der polizeilichen Fahndung verstecken. Meine damals 8-jährige Schwester erlebte die Brutalität der Nazis während der Hausdurchsuchungen hautnah. Ihr brauchte, wie auch später mir, kein Antifaschismus verordnet werden.

Als Kind nahm ich die ersten Bombenabwürfe auf Moskau und die einzelnen Stimmungen und Reaktionen der Erwachsenen nur zum Teil wahr. Manches kam bei späteren Erzählungen dazu. Besonders stark waren zu Beginn aber die Enttäuschung einerseits und der Unglaube andererseits. (Wie kann das sein, ausgerechnet das Volk Schillers, Goethes, Heines, Beethovens…das konnten die revolutionären deutschen Arbeiter doch nicht zulassen…). Hinzu kam natürlich Panik, viele Moskauer verließen fluchtartig die Stadt.

Wir deutschen Emigranten wurden evakuiert, über Gurjew, Astrachan, in verschiedenen Verwundeten- bzw. Militärtransporten, bis nach Taschkent, Usbekistan. Man kümmerte sich um uns, vor allem um meinen querschnittsgelähmten Vater. Ohne Hilfe hätten wir es nicht geschafft. Einem der begleitenden sowjetischen Offiziere versprach ich: Wenn ich groß bin, dann kämpfe ich auch gegen Hitler!
Bis heute habe ich die vielen Schreie von Verwundeten auf den Verbandsplätzen noch im Ohr. „Mama!“

Bis heute stoße ich auf breites Unwissen über das Leben im sowjetischen Hinterland während des Krieges, über das Heldentum der zum Teil in Trauer lebenden Frauen und Kinder. Jeder einzelne Sieg war mit unsagbar vielen persönlichen Opfern in der gesamten Sowjetunion verbunden. Der Krieg reichte bis in den kleinsten Aul Kirgistans hinein, wie es Tschingis Aitmatow in „Djamila“ beschrieb. Die Sowjetmenschen teilten mit uns das Wenige, was sie zum Leben hatten. Wir lebten in Taschkent zunächst zu viert in einem Schuppen auf dem Hof, anschließend waren wir in einem 6 qm kleinen Raum im Haus untergebracht.

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Die Friedensbewegung am Scheideweg

von Doris Pumphrey

Vortrag gehalten am 26.03.2022
Veranstaltung der Regionalgruppe RotFuchs Bernau / TAG der GRH e.V. Bernau bei Berlin

In den letzten Jahren wurde immer wieder konstatiert und kritisiert, dass die Friedensbewegung schwach sei, nur noch Wenige zu Aktionen kommen. Sie spiele in der öffentlichen Wahrnehmung keine nennenswerte Rolle.

In einem Artikel Im Oktober 21 über die große Friedensdemonstration in Bonn 1981, fragte der Konfliktforscher Dr. Leo Ensel, wo die Aktivisten von damals geblieben seien. „Ob sie denn meinten, sie hätten mit ihrem damaligen Engagement ihr friedenspolitisches Soll für den Rest ihres Lebens abgeleistet.“

Nein, das meinen sie nicht, denn ein erheblicher Teil von ihnen ist auch heute noch an vorderster Front der Friedensbewegung aktiv. Selbst viele Strukturen der damaligen Friedensbewegung mit ihren engagierten Mitstreitern existieren weiter. Das Problem liegt woanders, aber dazu kommen wir noch.

Wer oder was ist die Friedensbewegung?

Ich muss vorausschicken: Wenn ich in diesem Vortrag von DER Friedensbewegung spreche, dann ist das nur ein verallgemeinernder Begriff, der nicht automatisch alle Teile einschließt, denn die Friedensbewegung ist weder eine Organisation noch ein Bündnis per se. Sie setzt sich aus verschiedenen bundesweiten oder lokalen Organisationen, Gruppen und Netzwerken zusammen, mit z.T. auch unterschiedlichen Schwerpunkten und politischen Sichtweisen. Untereinander werden auf lokaler und bundesweiter Ebene auch Bündnisse geschlossen z.B. für einen gemeinsamen Aufruf und/oder eine gemeinsame Aktion.

Aktivisten der Friedensbewegung, die aus der Erfahrung der DDR kommen, verstehen oft nicht die Schwierigkeiten und langwierigen Diskussionen, die damit verbunden sind. Zum einen sollten die unterschiedlichen Voraussetzungen nicht vergessen werden: Auf der einen Seite die DDR als sozialistischer Staat, dem Anti-Imperialismus, der Völkerfreundschaft, der Lösung der Probleme auf diplomatischem Weg und dem Frieden verpflichtet. Sie war ein Verbündeter im Friedenskampf in der BRD. Auf der anderen Seite die imperialistische BRD im Aggressionsbündnis NATO, gegen deren Aufrüstung, Unterstützung von Aggressionen und Interventionen eine Friedensbewegung kämpfen muss.

Bei der heterogenen Zusammensetzung der Friedensbewegung, besteht die Schwierigkeit meist darin, einen Minimalkonsens zu finden, vor allem wenn ein Bündnis angestrebt wird. Der Konsens ist einfacher, wenn es um Militär- und Rüstungsmaßnahmen geht, die das eigene Land betreffen.

Unter den einzelnen Teilen der Friedensbewegung bestand und besteht jedoch große Uneinigkeit in der Einschätzung von Regierungen jener Länder, die ins Visier des NATO-Westens geraten, was die notwendige Mobilisierung gegen NATO-Aggressionen beeinflusste.

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Fernab der Realität: Lüge oder Selbstbetrug in der Ampel-Koalition

Auch in der Politik kann man durchaus mal träumen und die Realität eine Weile ignorieren. Aber je länger das dauert, umso härter werden einen in der realen Welt die Konsequenzen treffen, die nicht mehr ignoriert werden können.

von Rainer Rupp

Das kann eine Weile gut gehen. Aber die Konsequenzen der ignorierten Realität werden einen unerbittlich einholen; über kurz oder lang, und dann hat sich das ursprüngliche Problem in der Regel in ein um ein vielfach größeres Monster verwandelt. Ich spreche davon, wie die Bundesregierung, vor allem aber die Grünen in den Figuren von Wirtschaftsminister Robert Habeck und Außenministerin Annalena Baerbock das Problem der Energieversorgung Deutschlands ohne Russland lösen wollen. Oder wie die Bundesregierung durch Konfrontation mit Russland und mit mehr finanzieller und militärischer Unterstützung der Faschisten in der Ukraine mehr Sicherheit in Europa schaffen will.

Im Energiebereich machen sich die Ampel-Koalition und vor allem die Grünen und ihre Anhängerschaft tatsächlich vor, dass die reale Welt mit ihren über Jahrzehnten gewachsenen, industriellen Strukturen, Handlungsrahmen und Handelsverbindungen einfach mal so – von heute auf morgen – auf den Kopf gestellt werden kann. “Mind over matter” lautet ein mystischer Spruch aus England, wonach eine stark gehegte Wunschvorstellung sogar Materie bewegt.

“Leicht beieinander wohnen die Gedanken. Doch hart im Raume stoßen sich die Sachen”, lautet dagegen das Zitat aus Schillers “Wallenstein”, mit dem der reife Feldherr den jungen Tugendbold Piccolomini auf den Boden der Realität zurückbringt. Für hochfliegende Ideen und leichte Lösungen schwieriger Probleme gibt es im Kopf zwar viel Platz, doch in der realen Welt, im Reich der Dinge, hat der handelnde Mensch mit harten Tatsachen und oft unversöhnlichen Widersprüchen zu tun. Dies gilt auch für die Traumwandler, die glauben, deutsche Energiesicherheit und Erhaltung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit seien unter Verzicht auf Gas- und Öl-Lieferungen aus Russland zu erreichen. Aber die Realität mit ihren harten Konsequenzen wird sie und leider auch das ganze deutsche Volk einholen.

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Das Projekt „Anti – Russland“ wird scheitern

.. bei anderen gelesen..

von Dr. Wolfgang Schacht

Das, was wir z. Z. in der Ukraine erleben, kann nur mit den Ereignissen von 1933 bis 1945 in Nazi-Deutschland verglichen werden. Damals wurde von den Angelsachsen in Europa das nazistische Instrument „Adolf Hitler“ geschaffen, dessen offizielle Aufgabe es war, die „bolschewistischen Untermenschen“ in der Sowjetunion auszurotten und neue Lebensräume für die „Deutsche Herrenrasse“ zu schaffen. Heute ist es die Ukraine, die mit politischer, ideologischer und militärischer Unterstützung des amerikanischen Establishments und seiner europäischen Vasallen offen dazu aufruft, Russland zu zerstören und seine Bevölkerung in einem mörderischen Bruderkrieg (GENOZID) zu vernichten.

Es würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen, auf alle Ursachen dieser verhängnisvollen Entwicklungen in der Ukraine näher einzugehen. Ihre Wurzeln liegen ohne Zweifel in der Entwicklung eines extremen ukrainischen Nationalismus, dessen erste Ansätze bereits bei der Entstehung und ständigen Vergrößerung dieser ehemaligen Sowjetrepublik unter der Führung von Lenin, Stalin und Chruschtschow entstanden.

Die militär-politische Zusammenarbeit von Teilen der ukrainischen Bevölkerung mit Nazi-Deutschland und mit den Faschisten vieler europäischer Länder wurde nach dem Krieg – aus welchen Gründen auch immer – nicht aufgearbeitet, ja sogar weitgehend verdrängt. Nach dem Tod von Stalin im Jahre 1953 wurden viele Kollaborateure und ehemalige Nazis von Nikita Chruschtschow begnadigt und freigelassen. Ein großer Schock für viele Ukrainer, die unter ihrer Herrschaft schrecklich gelitten haben.

Als wahre Katastrophe für die Weltgemeinschaft hat sich der Verrat der Sowjetunion durch Gorbatschow und Jelzin, der Verkauf der DDR an die BRD und ihre bedingungslose Annexion, die einseitige Auflösung des Warschauer Vertrages und der beschämende Abzug der sowjetischen Truppen – die wahren Befreier Europas vom Faschismus! – erwiesen.

Bereits 1991 entstand das Projekt „Anti-Russland“. Mit viel Geld und entsprechenden Führungskräften der Nazis wird in der Ukraine Schritt für Schritt ein antirussischer Staat geschaffen. Der Boden ist fruchtbar noch aus dem das kroch. Als der ukrainische Präsident, Viktor Janukowitsch, im Jahre 2013 die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union auf Grund berechtigter Zweifel um ein Jahr verschob, zeigten die USA und die EU ihr wahres Gesicht. Alle Gespräche mit ihm wurden abgebrochen, mörderische Tumulte und Unruhen begannen auf dem Maidan. Der von Brüssel und den USA organisierte faschistische Staatsstreich, die Forderung der ukrainischen Nazis nach sofortiger Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der EU, die kategorische Forderung einer NATO-Mitgliedschaft und des Verbots der russischen Sprache (im Programm der faschistischen Führung klar und deutlich integriert) führte zwangsläufig zu einer Trennung der Krim von der Ukraine und zu ihrem rechtmäßigen Anschluss an Russland. Im krassen Gegensatz zur Annexion der DDR wurden die Bürger und Bürgerinnen der Krim in einem ordentlichen Volksentscheid gefragt, ob sie diesen Anschluss wünschen. 97% der Wähler stimmten dem mit großer Freude zu.

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Washingtons „Großes Spiel“

Ukraine als eingeplantes Bauernopfer

von Rainer Rupp

Wie die jüngsten Ereignisse seit der russischen Militäroperation am 24. Februar zur Entnazifizierung und Demilitarisierung der Ukraine zeigen, ist der besondere Augenmerk der Russen offensichtlich auf die Unterbindung der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen in ihrem von Faschisten mitregierten Nachbarland gerichtet. Dabei geht es nicht nur um die Zerstörung möglicher Labore zur Herstellung von Nuklearwaffen, deren Beschaffung der ukrainische Präsident Selenski jüngst bei der so genannten „Sicherheitskonferenz“ in München unter Beifall vieler westlicher Spitzenpolitiker und -Militärs angekündigt hatte. Es geht auch um die Vernichtung einer Reihe von Bio- und Chemie-Laboren in der West-Ukraine, die von US-Bio- und Chemiewaffenexperten des Pentagon geleitet werden.

Um die Strahlung zu verstecken, die beim Bau von Atomwaffen freigesetzt wird, die wiederum von Satelliten aus dem All entdeckt werden, eignet sich am besten ein ohnehin bereits stark strahlender Ort, vor allem, wenn es dort wenig oder gar keinen Publikumsverkehr gibt. Das trifft haargenau auf die neu gebauten Anlagen direkt neben der Ruine des Atomkraftwerks von Tschernobyl zu.

Was immer dort vorging, war den Machthabern in Kiew offensichtlich so wichtig, dass sie die angebliche „Ruine“ nicht von Polizei, sondern mit einer starken Einheit des ukrainischen Militärs bewachen ließen. Die aber hatte dem Überraschungsangriff russischer Spezialeinheiten direkt zu Beginn der Militäroperation nichts entgegenzusetzen. Die ukrainischen Bewacher hatten offenbar nicht einmal Zeit, wichtige Dokumente und Pläne zu vernichten. Allerdings waren sie schnell bereit zu kooperieren und unter Aufsicht der Russen gemeinsam für die Sicherheit der Anlagen vor dem Zugriff von fanatisierten, faschistischen Banditen zu sorgen.

Auch Behauptungen, dass die Ukraine derzeit gefährliche biologische Waffenlabore des Pentagon unterhält, sind nicht neu. Sie wurden bisher hauptsächlich von Russland und China erhoben. Das chinesische Außenministerium erklärte jüngst sogari“Die USA haben 336 Labore in 30 Ländern unter ihrer Kontrolle, darunter 26 allein in der Ukraine.” Das russische Außenministerium behauptete,ii dass “Russland Dokumente erhalten hat, die belegen, dass ukrainische biologische Laboratorien an der Entwicklung von Komponenten biologischer Waffen gearbeitet haben.”

Diese Behauptungen konnten bis vor wenigen Tagen nicht bewiesen werden. Von so genannten „Fact Checkern“ und natürlich von der US-Regierung wurden sie als wilde Verschwörungstheorien zurückgewiesen.

Wie schon so oft in der Vergangenheit wurden auch aus diesen „wilden Verschwörungstheorien“ am Dienstag dieser Woche unwiderlegbare Fakten!

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