Hans Bauer
Ohne Mauer hätte es Krieg gegeben“. So das Urteil hoher Politiker und Militärs der DDR in einer Publikation zur militärischen Grenzsicherung im August 1961. Und sie beweisen dies anhand der damaligen internationalen Krisensituation. Auch westliche Politiker kamen angesichts der Kriegsgefahr zu ähnlichem Ergebnis.
Zweifellos war die DDR-Grenzsicherung ein schmerzhaftes, aber dennoch ein notwendiges Mittel, um imperialistische Aggressionsgelüste zu stoppen. Die Befreiung der Ostgebiete war erklärtes Ziel, Westberlin für den Westen die „billigste Atombombe“, „Pfahl im Fleisch der Sowjetzone” (Bürgermeister Reuter). Tausende Soldaten der drei Alliierten waren dort stationiert und spionierten gegen Osteuropa. In der „Frontstadt“ Westberlin wirkten um die 60 gegnerische Dienste und Organisationen mit unzähligen Agenten.
Die Grenzsicherung war aber nicht nur eine Friedenstat. Ohne sie hätte der sozialistische deutsche Staat keine 40 Jahre existiert. Die materiellen und ideellen Schäden durch offene Grenzen waren immens. Abwerbungen, Schiebungen, Schwarzhandel, Sabotage gehörten besonders in Berlin zum Alltag. Der Schaden wird bis zu 200 Milliarden DDR-Mark geschätzt. Auch das Gift des Faschismus hätte ohne Grenzsicherung wesentlich früher und noch wirksamer ganz Deutschland überschwemmt.
Vergessen wir nicht, der Judenmörder Globke war als Kanzleramtschef bis 1963 enger Vertrauter Adenauers. Noch 1965 listete die DDR in einem Braunbuch über 1800 belastete Nazis der Hitlerdiktatur in hohen BRD-Ämtern auf.
Deshalb wird zurecht auch vom antifaschistischen Schutzwall gesprochen.
All das wird natürlich in diesen Tagen in Gedenkritualen zum „Mauerbau“ verschwiegen oder ins Gegenteil verkehrt.
Die Grenzsicherung beschleunigte die sozialistische Entwicklung. Solidarisches Miteinander, Wohlstand und Sicherheit bestimmten über Jahre das Leben der Menschen.
Elementare Grundrechte, wie das Recht auf Arbeit, Bildung, Wohnung u. a., waren Verfassungswirklichkeit. Ebenso Völkerfreundschaft und internationale Solidarität. Das Bekenntnis der DDR in ihrer Nationalhymne „… dass nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint“, war höchstes Staatsziel. Frieden nach innen und nach außen belegten den humanistischen Charakter des Sozialismus.
Das seit 1990 staatlich vereinigte Deutschland geht einen völlig entgegengesetzten Weg. Eine menschliche Perspektive gibt es nicht. Militarisierung, Aufrüstung und Kriegsvorbereitung bestimmen Gegenwart und Zukunft. Nach Marx die „Entfremdung des Menschen“. Entgegen allen Verpflichtungen im Grundgesetz und in internationalen Verträgen ist das gesamte gesellschaftliche Leben zunehmend für Profit- und Großmachtinteressen, auf Krieg ausgerichtet.
Und zum dritten Mal gegen Russland. Bar jeglicher Vernunft und historischer Verantwortung. Deutschland wird unter den heutigen Machthabern systematisch zerstört. Unglaublich, als Erfolg gefeiert werden wirtschaftliches Wachstum durch Rüstungsindustrie und neue Arbeitsplätze zur Herstellung von Mordwerkzeugen. Und alles finanziert mit Milliarden von Schulden und auf Kosten der Steuerzahler und zu Lasten der Bevölkerung. Bei gleichzeitigem Demokratieabbau. Das ist Kriegswirtschaft. Alles von Politikern, ihren Marionetten und Medien als Fortschritt gepriesen. Menschen werden durch Lügen, Verschweigen und Bestrafen zur sklavischen Folgsamkeit manipuliert und gezwungen, Kinder in Schulen zur Unwissenheit erzogen.
Bereits heute könnte Deutschland mit „Ramstein“, dem weltweiten Drehkreuz für Angriffe, Ziel von Gegenschlägen sein. Die jetzt geplanten weitreichenden USA-Marschflugkörper machen Deutschland erst recht zum selbstmörderischen Schlachtfeld in Europa.
Einen „Warschauer Vertrag“ als starke Gegenkraft zum aggressiven Imperialismus – wie 1961 – gibt es nicht mehr. Bleibt nur eine mächtige Einheitsfront der Friedenskräfte, verbündet mit allen friedliebenden Staaten, die sich dem Kriegswahnsinn Deutschlands, der NATO und der EU entgegenstellt.
*Hans Bauer ist Rechtsanwalt und Vorsitzender der GRH
Zuerst erschienen In den GRH Mitteilungen – ZTG 08-2026