Nachruf Hans-Joachim Bamler

Nachruf

Am 24. April 2015 starb Hans-Joachim (Jochen) Bamler im Alter von 89 Jahren in Neuruppin. Er war der erste Resident des Auslandsnachrichtendienstes der jungen DDR, der Hauptverwaltung Aufklärung (HV A) in Frankreich. Sein Auftrag bestand darin, gemeinsam mit seiner Frau Marianne in der französischen Hauptstadt Paris, dem damaligen Sitz der NATO, eine Residentur aufzubauen und zu leiten. Die Bamlers waren Pioniere auf diesem Gebiet, denn es war die erste Residentur in einem NATO-Staat. Continue reading ‘Nachruf Hans-Joachim Bamler’ »

Spiel mit nuklearem Feuer

Gefährdung des Friedens in Europa: NATO diskutiert Atomwaffenstrategie, wirft Moskau aber »nukleares Säbelrasseln« vor

Von Rainer Rupp

Warum sind ein US-amerikanischer und ein russischer General, James E. Cartwright und Wladimir Dworkin, plötzlich sehr besorgt über die zunehmende Gefahr eines Atomkrieges in Europa? Wie kann es sein, dass der Staatssekretär des US-Verteidigungsministeriums Robert Scher immer noch im Amt ist, obwohl er jüngst vor dem Kongress in Washington dafür geworben hat, einen präventiven nuklearen Erstschlag zur Entwaffnung Russland zu führen? Um seinen Arbeitsplatz braucht sich der atomare Kriegstreiber keine Sorgen zu machen, denn er hat die volle Unterstützung seines Ministers Ashton Carter. Der ist in dieser Woche in Deutschland von seiner Amtskollegin Ursula von der Leyen gefeiert worden. Continue reading ‘Spiel mit nuklearem Feuer’ »

Kein Einheitsmärchen

Politische Klarheit und Konsequenz: Klaus Eichner hat ein Buch über die DDR-Kundschafterin Gabriele Gast herausgegeben

Von Arnold Schölzel

Gabriele Gast war von 1973 bis zur Verhaftung 1990 im Hauptquartier des Bundesnachrichtendienstes (BND) im bayerischen Pullach, zuletzt im Rang einer Regierungsdirektorin, und zugleich für die Hauptverwaltung Aufklärung des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (HV A), des Auslandsnachrichtendienstes des ostdeutschen Staates, tätig. Im Vorwort von Klaus Eichners Buch »Agentin in der BND-Zentrale Gabriele Gast im westdeutschen Spionagezentrum« schreibt der letzte Chef der HV A, Werner Großmann, über sie: »Mit ihrem herausragenden Intellekt und ihrer konsequent kritischen Position bestimmte sie immer wieder das Profil und die Inhalte der Zusammenarbeit der DDR-Auslandsaufklärung mit der Quelle ›Gisela‹ mit.« Continue reading ‘Kein Einheitsmärchen’ »

„Frieden ist schlecht fürs Geschäft“

Ehemalige US-Geheimdienstler Ray McGovern und Liz Murray im Gespräch mit WELTNETZ.TV

Elizabeth Murray (ehemalige Offizierin im National Inteligence Council) und Ray McGovern (ehemaliger CIA-Analyst und Russlandspezialist) im Interview mit weltnetz.tv über Whistleblower, den Einfluss von Geheimdiensten auf politische Entscheidungen und Drohnenkriege:

Transkript:// deutsch.

weltnetz.tv: Frau Murray, Sie waren bis 2010 als Deputy National Intelligence Officer beim National Intelligence Council für den Nahen Osten zuständig. Beschreiben Sie doch bitte kurz die Rolle des National Intelligence Council.

Murray: Im National Intelligence Council kommen 16 verschiedenen Geheimdienste zusammen, um einen Konsens zu finden über die politischen, militärischen und wirtschaftlichen Aspekte eines jeweiligen Landes oder Problems, z.B. irakische Massenvernichtungswaffen oder die Situation im Iran – eines Landes oder Problems, das für die US-Politik von größter Bedeutung ist. Und der National Intelligence Council erstellt den sog. „National Intelligence Estimate“, ein maßgebendes, von den 16 Geheimdiensten zu den jeweiligen Fragen abgestimmtes Dokument, um den politischen Entscheidungsträgern, der Regierung zu helfen, rationale außenpolitische Entscheidungen zu treffen. Continue reading ‘„Frieden ist schlecht fürs Geschäft“’ »

Der Aggressor heißt NATO

Standpunkt. Ukraine: Streit um die Souveränität, Spiegelfechterei um das Völkerrecht, Drohgebärden gegen Moskau. Ein Plädoyer für Solidarität und Freundschaft mit Rußland

Von Sebastian Bahlo, Klaus Hartmann und Klaus von Raussendorff

Seit dem Staatsstreich in der Ukraine vom 22. Februar 2014 und insbesondere im Zuge der Entwicklungen auf der Schwarzmeerhalbinsel Krim hat in den USA, den NATO- und EU-Ländern eine politisch-mediale Kampagne Fahrt aufgenommen, in der Rußland und insbesondere der Präsident Wladimir Putin hysterisch der rücksichtslosen Großmachtpolitik und des völkerrechtswidrigen »Landraubs« bezichtigt wird. Seitens der Regierungen der führenden NATO-Staaten wird die Eingliederung der Krim in die Russische Föderation als »völkerrechtswidrige Annexion« gebrandmarkt. Mit dieser Kampagne soll der tatsächliche Charakter der Krise um die Ukraine als eines antirussischen Manövers verschleiert und weitere feindliche Akte gegenüber der Russischen Föderation psychologisch vorbereitet werden. Zunächst muß es erstaunen, daß Länder, die bis heute eine Vielzahl von fortgesetzten Völkerrechtsbrüchen begehen – darunter der Überfall auf die Bundesrepublik Jugoslawien 1999, die Invasion Afghanistans 2001 und des Irak 2003, die Anerkennung der Eigenstaatlichkeit des Kosovo 2008 –, derart offensichtlich mit anderem Maß messen, wenn sie das Handeln Rußlands beurteilen. Dieselben, die weismachen wollen, daß deutsche Sicherheitsinteressen im weit entfernten Afghanistan verteidigt werden, sprechen Rußland das Recht ab, seine unverkennbaren Sicherheitsinteressen in seiner unmittelbaren Nachbarschaft wahrzunehmen. Und das sogar angesichts des eklatanten Unterschieds, daß zur Verteidigung deutscher Interessen in Afghanistan ein Oberst Klein ein Massaker an über 100 Zivilisten befiehlt, während der Anschluß der Krim an die Russische Föderation ohne eine einzige gewalttätige Handlung seitens Rußlands im Einvernehmen mit der großen Bevölkerungsmehrheit auf der Krim vonstatten ging. Dieselben, die das Kosovo auf Grundlage einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung der Provinzregierung gegen den Willen der legitimen serbischen Zentralregierung anerkannt haben, sprechen der Russischen Föderation das Recht ab, den durch ein Referendum mit für sich sprechendem Ergebnis geäußerten Wunsch der Krim-Bevölkerung auf Eingliederung nachzukommen, in einer Situation, in der eine legitime ukrainische Zentralregierung nicht existiert. Continue reading ‘Der Aggressor heißt NATO’ »