Von Gerd Schumann
Die Unabhängigkeit Namibias von Südafrika war der letzte große Erfolg, an dem die DDR im Trikont direkt beteiligt war – übrigens umgesetzt unter Beteiligung von DDR-Bürgern in Uniform an einer UN-Mission: Die 30 Volkspolizisten waren allerdings keine kriegsbereiten Blauhelme, sondern trugen blaue Barette auf ihren Köpfen. Am 21. März 1990 konnte Namibia seine Unabhängigkeit auf Grundlage der UN-Sicherheitsratsresolution 435 feiern, ganze drei Tage nach jenen Volkskammerwahlen in der DDR, die heute als die »ersten freien« bezeichnet werden. Hastig formierte Ostableger von CDU, SPD und FDP erhielten die absolute Mehrheit der Stimmen. Das bevorstehende Ende des sozialistischen Staates nahm – direkt und indirekt – starken, wenn nicht entscheidenden Einfluss auch auf den weiteren Unabhängigkeitsprozess im südlichen Afrika.
Die Möglichkeiten, einen antikapitalistischen Entwicklungsweg einzuschlagen, verringerten sich rapide. Ein solcher war zwar bereits vor 1990 immer unrealistischer geworden; in Angola und Mosambik blockierten die zerstörerischen Attacken vom Westen ausgehaltener bewaffneter Banden eine solche Perspektive. Nun standen die Chancen auch für die Befreiungskräfte Südafrikas und Namibias schlecht, sich wirklich vom ehemaligen Kolonialsystem zu befreien.
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