General der US-Marines zur Ukraine: “Wir haben den Schauplatz vorbereitet”

Von Dagmar Henn

Stück für Stück, Bröckchen für Bröckchen wird die Wahrheit ausgesprochen – ganz so, als unterläge der Westen einem Geständniszwang. Jüngster Beitrag zur Klärung der Vorgeschichte des aktuellen Ukraine-Konflikts ist ein Interview mit einem Generalleutnant der US-Marines.

Die Financial Times selbst nennt es einen “ungewöhnlich offenen Vergleich zwischen dem Krieg in der Ukraine und einem möglichen Konflikt mit China”, was der Generalleutnant James Bierman, Kommandeur der III Marine Expeditionary Force sowie der US-Marines in Japan, in seinem Interview sagte. Gleichzeitig ist ein Teil seiner Äußerungen jenes Puzzleteil, das noch fehlte, um die Vorbereitungen des Westens für einen Krieg in der Ukraine zu belegen.

“Wie haben wir den Grad des Erfolgs erreicht, den wir in der Ukraine erreicht haben? Einen großen Teil davon, weil wir nach der russischen Aggression 2014 und 2015 ernsthaft daran gingen, den künftigen Konflikt vorzubereiten: Ausbildung für die Ukrainer, Vorbereitung von Nachschublagern, die Identifizierung der Orte, von denen aus wir Nachschub sichern und Operationen aufrechterhalten könnten. Wir nennen das ‘den Schauplatz vorbereiten’. Und wir bereiten den Schauplatz in Japan vor, auf den Philippinen, an anderen Orten.”

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Was die Entscheidungsschlacht bei Soledar und Artjomowsk für den Westen bedeutet

Eine Analyse von Rainer Rupp

Schon in den nächsten Tagen, wenn nicht sogar Stunden drohen auch die verbliebenen Reste der Festungen Soledar und Artjomowsk vollkommen unter russische Kontrolle zu kommen. Damit wäre dann das Kernstück der ukrainischen Verteidigungslinie durchbrochen, was erlauben würde, die ukrainische Front von hinten aufzurollen und/oder vom Nachschub abzuschneiden. Welche Optionen verbleiben dann Kiew und dem Westen?

Trotz der alarmierenden Nachrichten über die bevorstehende Niederlage der ukrainischen Truppen in den seit acht Jahren mithilfe der USA und des restlichen Westens ausgebauten Donbass-Festungen Artjomowsk und Soledar hat der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij letzten Sonntag in einer realitätsfernen Rede an die ukrainische Volksgemeinschaft Zuversicht verkündet:

“Die Schlacht um den Donbass geht weiter. Und obwohl die Okkupanten ihre Kräfte jetzt auf Soledar konzentriert haben, wird doch das Ergebnis dieser schweren und langen Schlacht die Befreiung unseres gesamten Donbass sein. (…) Danke an alle Kämpfer in Soledar, die immer neue und immer härtere Angriffe der Okkupanten aushalten! Das ist sehr schwer – dort steht fast kein Stein mehr auf dem anderen. (…) Dank der Standhaftigkeit unserer Krieger dort, in Soledar, haben wir für die Ukraine zusätzliche Zeit und Kräfte gewonnen.”

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Pierre de Gaulle, Enkel von Charles de Gaulle, spricht Klartext über die USA, die NATO und die europäischen Medien

Irina Dubois, Pierre de Gaulle

(Red.) Irina Dubois, die verantwortliche Leiterin der Vereinigung «L’Association Dialogue Franco-Russe», hat kurz vor Weihnachten mit Pierre de Gaulle, dem Enkel von General de Gaulle, ein Interview gemacht. Das Thema des Interviews waren die internationalen Beziehungen zwischen Frankreich und der EU auf der einen Seite und Russland auf der anderen Seite. Das Interview ist äußerst lesenswert, Pierre de Gaulle hat keine Hemmungen, die Verlogenheit der USA und der NATO und der großen europäischen Medien öffentlich an den Pranger zu stellen und auf die wirtschaftlichen Probleme in der EU hinzuweisen, zu denen die westlichen Sanktionen gegen Russland jetzt führen werden.

Irina Dubois:
Guten Tag, Monsieur de Gaulle. Vielen Dank, dass Sie heute beim französisch-russischen Dialog bei uns sind. Sie beraten in den Bereichen Unternehmensstrategie und Finanzen, Sie haben 15 Jahre Erfahrung in der Leitung von Privatbanken und es ist wahrscheinlich überflüssig, an die großen Taten Ihres Großvaters General de Gaulle zu erinnern. Wir schreiben das Jahr 2022 und es ist ein beispielloses und sehr, sehr komplexes, schwieriges Jahr für die französisch-russischen Beziehungen. Es ist in gewisser Weise ein antirussisches Jahr, würde ich sagen, ganz zu schweigen von der Politik.

Und trotzdem gibt es seit September/Oktober immer mehr Persönlichkeiten, vorsichtig ausgedrückt, die sich für die Normalisierung unserer französisch-russischen Beziehungen aussprechen, und Sie gehören dazu. Warum glauben Sie, dass es für Frankreich so wichtig ist, sich nicht von Russland zu trennen?

Pierre de Gaulle:
Guten Tag, Madame. Ich danke Ihnen für Ihren Empfang und dafür, dass Sie mir die Gelegenheit geben, in diesem Kulturhaus zu sprechen, das all das feiert, was das französische und das russische Volk durch die Kultur miteinander verbindet.

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Deutschland hat sich 2022 wieder auf falsche Seite der Geschichte gestellt – Doch wen überrascht es?

Von Wladislaw Sankin

Die USA haben ihre Ukraine-Politik im Wesentlichen von Deutschland geerbt. Genau genommen war es der Nazi-Ideologe Alfred Rosenberg, der eine Allianz mit den ukrainischen Nationalisten zum Zwecke der Vernichtung des “Großrussentums” begründete. Die Anklänge an diese unsäglichen Seiten der deutschen Geschichte werden nun immer lauter.

Das ausgehende Jahr hat sehr viele Illusionen und Träume unter den Trümmern auf dem Schlachtfeld Ukraine begraben. Eine davon war die Vorstellung, dass nach dem Zweiten Weltkrieg eine Aussöhnung zwischen Russen und Deutschen möglich sei. Auf persönlicher Ebene gab es und gibt es sie – tausendfach. Auf politischer Ebene hat Berlin die deutsch-russische Sonderbeziehung indes einseitig aufgekündigt. Das war schon lange vorher so gewollt, die deutsche politische Klasse hat nur lange auf einen Anlass gewartet.

Den Anlass lieferte angeblich Russland selbst, mit seinem Einmarsch in der Ukraine. Wobei, genaugenommen geschah es noch vor Beginn der russischen Militäroperation – mit dem höhnischen Grinsen des Bundeskanzlers Olaf Scholz während seiner Visite in Moskau im Januar 2022, als Wladimir Putin vom Genozid Kiews an der Bevölkerung des Donbass sprach.

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Das Erbe der Sowjetunion – Der erste Schritt

Von Arnold Schölzel

Die Gründung der UdSSR am 30. Dezember 1922 brachte etwas Neues in die Welt: Den Anfang vom Ende des kolonialen Zeitalters. Der Westen hat noch immer Angst vor dem Sowjetstaat

Der Name »Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken« (UdSSR, russisch Sojus Sowjetskich Sozialistitscheskich Respublik, SSSR), deren Gründung der 1. Unionskongress der Sowjets am 30. Dezember 1922 in Moskau beschloss, war Programm. jW-Autor Werner Pirker schrieb vor 20 Jahren an dieser Stelle: »Welthistorisch einzigartig an der Sowjetunion war nicht, dass sie eine Union, sondern dass sie sowjetisch war. Sowjetisch ist keine nationale oder supranationale Kategorie, sondern eine soziale, gesellschaftliche. Erstmals definierte sich ein Staat nach dem Charakter seiner Gesellschaftsordnung.« Pirker notierte: »Die Sowjetunion verkörperte die positive Aufhebung der Nation im bürgerlichen Sinn. Gleichzeitig war sie die Geburtsstätte neuer Nationen. In Mittelasien fanden Kasachen, Turkmenen, Tadschiken, Usbeken und Kirgisen im Prozess der sozialen Emanzipation zum Bewusstsein ihrer Nationalität.« Das lässt sich verallgemeinern: keine koloniale Befreiung ohne die UdSSR.

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