Grüne Oberbürgermeisterin will sich für Frieden nicht “instrumentalisieren” lassen

Ein Kommentar von Rainer Rupp.

Wie an sehr vielen Orten in Deutschland haben Aktive der Friedensbewegung auch in Bonn, der ehemaligen Hauptstadt der BRD am 80. Jahrestag des Überfalls Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion eine Gedenkkundgebung organisiert. Sie hatten dazu auch die Oberbürgermeisterin Katja Dörner (Bündnis 90/ Die Grünen”) eingeladen, die zum Netzwerk „Mayors for Peace“ (Bürgermeister für den Frieden) gehört. Die Grüne Oberbürgermeisterin Dörner hatte eine Teilnahme jedoch abgelehnt. Sie hatte, laut Kundgebungs-Moderater Jens Koy, zur Begründung ihrer Absage vorgebracht, sie habe „Angst, sich angesichts der tagesaktuellen, politischen Lage instrumentalisieren zu lassen”.

Ein Kundgebungsteilnehmer, der in Bonn lebende, inzwischen über achtzigjährige Diplom Mathematiker und Forscher W. Göhring schrieb der Grünen Oberbürgermeisterin einen eindrucksvollen offenen Brief, aus dem nachfolgend einige Passagen zitiert werden.

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Russische Pazifikflotte vor Hawaii: Vom Zeigen der Instrumente

Wie in solchen Fällen üblich, werden alle Puzzlesteine hinter dem Putin-Biden Gipfel erst allmählich sichtbar. Einer davon war das Manöver der russischen Pazifikflotte vor Hawaii, das die Kompromissbereitschaft der US-amerikanischen Seite erhöht haben dürfte.

von Dagmar Henn

Nicht alles, was die Entwicklung des Verhältnisses zwischen den USA und Russland bestimmt, ist immer für alle sofort sichtbar. Erst am 21.6. bestätigte eine Pressemitteilung des russischen Verteidigungsministeriums, dass zwischen dem 13. und dem 19. ebendieses Monats ein Manöver der russischen(!) Pazifikflotte vor Hawaii stattgefunden hat, also just während des Gipfeltreffens von Putin und Biden. Es war das erste Manöver in dieser Größenordnung und in dieser Nähe zu den USA, das seit dem Ende des Kalten Krieges stattfand.

Gerade Hawaii weckt bei US-Amerikanern natürlich historische Erinnerungen, und die Auswahl dieser Pazifikregion für das Manöver war mit Sicherheit kein Zufall. Es sollte vor den Augen des möglichen Gegners stattfinden, der bis ins kleinste Detail dem simulierten Versenken einer ganzen Flugzeugträgergruppe folgen konnte.

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Treffen der G7: Schöne Kulisse, gefährliche Beschlüsse

Joe Biden erklärte auf dem Treffen der G7: “Wir sind in einem Wettstreit um den Sieg im 21. Jahrhundert, und der Startschuss ist gefallen.” Unser Autor greift den Startschuss auf und erklärt, weshalb diese Metapher gefallen ist. NATO und EU strebten Verschiebungen in der geopolitischen Lage an.

von Prof. Dr. Anton Latzo

Es gilt nach wie vor die Erfahrung: Wünsche, auch Erfordernisse, soll man nie mit Realitäten verwechseln! Zwischen den Erfordernissen einer internationalen Friedensordnung und den Zielen und Inhalten eines “Ausscheidungskampf(es) zwischen Demokratien und Autokratien um die Zweckmäßigkeit der rivalisierenden Systeme im 21. Jahrhundert”, wie es US-Präsident Joe Biden in der Pressekonferenz am 25. März 2021 formulierte, bestehen auch weiterhin grundsätzliche Unterschiede. Während des G7-Treffens bekräftigte er: “Wir sind in einem Wettstreit um den Sieg im 21. Jahrhundert, und der Startschuss ist gefallen.” “Ausscheidungskampf” klingt fair und sportlich, bedeutet aber, dass einer oder ein Teil der Kompetitoren weichen muss! Einer nur bleibt Sieger!

Das G7-Treffen 2021 wurde von solchen Gedanken geprägt. Das setzte sich bei den folgenden Treffen fort. Es zeigt, dass die Welt der USA und ihrer Verbündeten weiterhin mit polarisierenden Widersprüchen konfrontiert ist und dass diese Mächte bestrebt sind, die daraus erwachsenden Probleme durch aggressives Verhalten nach außen auszugleichen. Das spiegelt sich auch in der Tatsache wider, dass weder auf dem G7-Treffen noch nach der Begegnung zwischen Putin und Biden ein Konsens des Friedens zwischen den Staaten und der Sicherheit der Völker sichtbar geworden ist. Aber allein das kann der Inhalt einer neuen Weltordnung sein!

Mithilfe der Medien ist es zwar gelungen, das Bild einer heilen Welt des Kapitals in der Öffentlichkeit günstiger erscheinen zu lassen. Die zentrifugalen Tendenzen, die sowohl von der US-Politik als auch durch die europäischen Reaktionen angetrieben werden und diese Welt charakterisieren, wurden zwar kanalisiert, aber auf antichinesischer und antirussischer Grundlage! Gestoppt wurden sie aber nicht! Die Fragmentierung dieser Welt bleibt nach wie vor eine Tatsache, wie auch die Gefahren, die damit für Frieden und Sicherheit der Völker verbunden sind!

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Paradigmenwechsel in den russisch-amerikanischen Beziehungen? (Teil I)

Noch vor wenigen Wochen befand sich die Welt in einer Situation zugespitzter Spannungen. Dann kam es plötzlich zu einem Telefongespräch zwischen Biden und Putin und der Einladung zu einem Gipfeltreffen. Aber deutschen “Qualitätsmedien” war dies nur eine Randnotiz wert.

von Rainer Rupp

(Teil I von II)

Am 13. April – inmitten der aufsteigenden Spannungen über einen neuen bewaffneten Konflikt in der Ukraine – schlug die Nachricht wie ein Blitz aus heiterem Himmel ein. Selbst die hauptberuflichen Kreml-Astrologen hatten so was nicht erwartet. Laut der von Washington und Moskau gleichzeitig bestätigten Nachricht hatten US-Präsident Joe Biden und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin ein langes Telefongespräch über aktuelle Brennpunkte und Probleme gemeinsamen Interesses, inklusive der Ukraine geführt. Noch sensationeller war, dass die Initiative zu diesem Gespräch von der US-Seite ausgegangen war und Biden das Gespräch nutzte, um Putin für ein Gipfeltreffen zu gewinnen.

Sofort stand die Frage im Raum, ob Washington “kalte Füße” bekommen hatte angesichts der Entschlossenheit des Kreml, die vom ukrainischen Parlament beschlossene und von Präsident Wladimir Selenskij befohlene militärische Großoffensive zur Rückeroberung der Krim und der russischsprachigen Volksrepubliken Lugansk und Donezk nicht stillschweigend hinzunehmen, sondern sie mit einem militärischen Großaufgebot zu beantworten.

Ganz offensichtlich hatte das US-Aufplustern und die lautstarken Zusicherungen militärischer Hilfe, mit der die Kriegstreiber-Fraktion in Washington den russophoben Nationalisten in Kiew den Rücken stärken wollten, ihre Wirkung auf Moskau total verfehlt. Gleiches galt für das verklausulierte Inaussichtstellen von US-Soldaten, von dem man sich in Washington die Wirkung eines politischen “Stolperdrahts” gegen ein militärisches Eingreifen Russlands erhoffte. Stattdessen erkannten verantwortungsbewusstere Kreise in Washington jetzt die reale Gefahr, dass im Fall einer ukrainischen Offensive zur Rückeroberung der Krim und des Donbass das US-Militär in der Ukraine in einen direkten Konflikt mit russischem Militär hineingezogen würde.

Im Fall eines direkten militärischen Konfliktes mit Russland an dessen Westgrenze hat das US-Militär jedoch denkbar schlechte Karten. Das ist das Ergebnis zahlreicher US-NATO-Kriegsszenarien gegen Russland, die in militärischen US-Denkfabriken wie der Rand Corp mithilfe von Computersimulationen über unterschiedliche Kampfstärken und Schlachtordnungen in den letzten Jahren immer wieder durchgespielt worden sind. Und dabei war das Endergebnis immer dasselbe, nämlich – in den Worten eines namentlich nicht genannten teilnehmenden US-Offiziers gegenüber der US-Presse – “im Ernstfall werden wir unseren Arsch verlieren”.

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Paradigmenwechsel in den russisch-amerikanischen Beziehungen? (Teil II)

Die USA wollen neuerdings “ein stabiles und berechenbares Verhältnis zu Russland”. Ist das Show, ein Trick oder ernst gemeint? Was steckt dahinter und ist mit unberechenbaren Partnern wie der Ukraine ein “stabiles und berechenbares Verhältnis” zwischen den USA und Russland überhaupt möglich?

von Rainer Rupp

Im Teil I wurde gezeigt, dass sowohl das Weiße Haus in Washington, D.C. als auch der geballte Westen auf die russische Forderung eingegangen sind, die Ukraine-Krise in einem erneuten Anlauf diplomatisch im Rahmen des Minsk II Abkommens zu lösen. Die sowohl von der russischen als auch von der US-amerikanischen Präsidialverwaltung jeweils veröffentlichten Zusammenfassungen des Telefongesprächs, das auf Bitten vom US-Präsidenten Biden am 13. April zwischen ihm und dem Präsidenten Putin zustande gekommenen war, enthalten in Bezug auf das Abkommen von Minsk einen fast identischen Wortlaut. Gleiches gilt für die Abschlusserklärung der G7-Außenminister wenige Wochen später am 5. Mai.

Putin ist nicht mehr allein, sondern jetzt fordern auch Biden und die anderen G7-Außenminister, dass “Frankreich und Deutschland sich im Rahmen des Normandie-Prozesses um die vollständige Umsetzung der Minsker Vereinbarungen bemühen, um auf diesem diplomatischen Weg eine politische Lösung des Konflikts und einen dauerhaften Frieden zu gewährleisten”.

Das Abkommen Minsk II war 2015 im Beisein von hohen Vertretern Russlands, Frankreichs, Deutschland und der OSZE sowie von beiden Konfliktparteien, nämlich von einem Vertreter der ukrainischen Regierung und jeweils einem Repräsentanten der abtrünnigen ukrainischen Donbass-Provinzen Donezk und Lugansk als Wegweiser zu diplomatischen Konfliktlösung verbindlich unterzeichnet worden.

In den Punkten 4. und 12. der Erklärung sollten unmittelbar nach dem in Minsk vereinbarten Waffenstillstand und dem Rückzug der schweren Waffensysteme von der Kontaktline Gespräche zwischen der ukrainischen Regierung in Kiew und den politischen Führern von Donezk und Lugansk beginnen. Sinn und Zweck dieser Gespräche sollte sei, dass den beiden Provinzen der Status einer Teilautonomie innerhalb einer dezentralisierten, ukrainischen Bundesrepublik zugesichert würde. Das sollte mit entsprechenden Änderungen der Verfassung und mit der Vorbereitung freier Wahlen unter Aufsicht der OSZE abgesichert werden.

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