Jetzt verstehe ich meine Eltern. Ein Kommentar von Albrecht Müller

Albrecht Müller

Sie haben die Nazis nicht durchschaut. Sie haben die Gefahren des Krieges nicht erkannt. Von Demokratie haben sie sowieso nicht viel gehalten. Die Gleichschaltung der Medien haben sie nicht gesehen, sie fühlten sich wohl in der damit vermittelten Volksgemeinschaft. Was ist heute anders? Ich habe mir gestern Abend und heute das Medienecho auf die Entscheidung von Scholz, Panzer in die Ukraine zu liefern, angeschaut, zum Beispiel das Heute Journal und heute früh die Regionalzeitung und hier zum Beispiel die deutsche Außenministerin mit ihrer freihändig verkündeten Kriegserklärung „We are fighting a war against Russia“. Was wir uns heute an Feindseligkeit gegenüber anderen Völkern, an Gleichschaltung und an Agitation gefallen lassen und dem folgen, ist so schlimm wie die Agitation der Nazis. Es kommt auf feinere Weise daher, verkündet von harmlos aussehenden Akteuren wie Annalena Baerbock und eben nicht in SS-Uniform. Aber es ist das Gleiche. Die gleiche Verführung der Menschen mit dem Trick, ihnen einen Feind zu bieten. Und alle zusammen gegen diesen Feind aufzustehen. Heute das Gleiche wie bei meinen Eltern zu Zeiten meiner Geburt im Jahre 1938.

Meine Eltern haben mitgemacht. Mein Vater oft ein bisschen kritisch. So wie heute auch viele sind. Heute stehen viele beiseite, kümmern sich nicht darum, dass heute schon Krieg geführt wird und demnächst noch mehr Krieg – mit deutschem Geld und deutschem Material und vermutlich auch mit deutschen Soldaten als Ausbilder der kriegführenden Nation.

Was soll der Unterschied sein? Heute ist alles etwas schmucker und eleganter aufgemacht. Der Moderator im Fernsehen schaut freundlich, wenn er die Beteiligung am Krieg verkündet und ein stärkeres militärisches Engagement fordert. Der wiederholt auftretende Vorsitzende des Bundeswehrverbandes (ab Minute 11:18) verleiht dem Ganzen seinen Segen, indem er die Verzögerung beklagt und mehr militärisches Material fordert.

Auch der Moderator vergisst nicht zu kritisieren, dass jetzt alles viel zu spät sei, wir hätten uns schon viel früher beteiligen müssen. Aber das verkündet er alles ganz adrett. So adrett, dass die deutsche Jugend nahezu komplett wegschaut. Was sind das für eingeschlafene Zeitgenossen, diese jungen Leute. Ignoranten und damit Kriegsbefürworter. Wegseher und schon damit voll beteiligt.

Sie wachen auf, wenn sie gerade am Verglühen sind.

Zuerst erschienen auf den NachDenkSeiten am 25. Januar 2023

Kriminalisierter Antimilitarismus – Maulkorburteil für Kriegsgegner

Von Rüdiger Göbel

Friedensaktivist soll wegen Gedenkrede am Sowjetischen Ehrenmal hohe Geldstrafe zahlen

Entsetzen bei der Berliner Friedenskoordination, wenn auch keine Überraschung: Während Protestaktionen vor dem Kanzleramt für die Lieferung von »Leopard«-Kampfpanzern in die Ukraine beste Sendezeit bekommen, werden Kriegsgegner kriminalisiert. In den vergangenen Tagen hat die Justiz im rot-grün-rot regierten Berlin den Friedensaktivisten Heiner Bücker, Betreiber des »Coop Anti- War Cafés«, zur Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 2.000 Euro verurteilt, ersatzweise 40 Tage Haft, plus Übernahme der Verfahrenskosten. Der Vorwurf lautet auf »Belohnung und Billigung von Straftaten« nach Paragraph 140 Strafgesetzbuch. Die Begründung mit Verweis auf das »psychische Klima in der Bevölkerung« ist hanebüchen.

Die hauptstädtische Staatsanwaltschaft und Richter Pollmann am Amtsgericht Tiergarten sehen den »öffentlichen Frieden« gestört durch eine Rede, die Bücker bei einer Kundgebung der Friedenskoordination anlässlich des 81. Jahrestages des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 2022 am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow gehalten hat. In der rund 15 Minuten langen, ruhig vorgetragenen Rede zeigte Bücker, der Mitglied in der Kommunistischen Plattform der Partei Die Linke sowie in der antifaschistischen Organisation VVN-BdA ist, die historische Entwicklung zum heutigen Krieg in der Ukraine auf. Er schilderte ausführlich die Folgen des verbrecherischen Vernichtungskrieges von Hitler-Deutschland für die Sowjetunion mit 27 Millionen Toten sowie das Ausmaß der damaligen Kollaboration ukrainischer Faschisten mit den deutschen Besatzern, denen heute allerorten Denkmäler errichtet werden.

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Ukrainekonflikt: «Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, die abgebrochenen Verhandlungen wieder aufzunehmen»

Interview mit General a. D. Harald Kujat

«Waffenlieferungen bedeuten, dass der Krieg sinnlos verlängert wird»
General a. D. Harald Kujat

Zeitgeschehen im Fokus Welchen Wert geben Sie der Berichterstattung über die Ukraine in unseren Mainstream-Medien?

General a. D. Harald Kujat Der Ukrainekrieg ist nicht nur eine militärische Auseinandersetzung; er ist auch ein Wirtschafts- und ein Informationskrieg. In diesem Informationskrieg kann man zu einem Kriegsteilnehmer werden, wenn man sich Informationen und Argumente zu eigen macht, die man weder verifizieren noch aufgrund eigener Kompetenz beurteilen kann. Zum Teil spielen auch als moralisch verstandene oder ideologische Motive eine Rolle. Das ist in Deutschland besonders problematisch, weil in den Medien überwiegend «Experten» zu Wort kommen, die über keine sicherheitspolitischen und strategischen Kenntnisse und Erfahrungen verfügen und deshalb Meinungen äussern, die sie aus Veröffentlichungen anderer «Experten» mit vergleichbarer Sachkenntnis beziehen. Offensichtlich wird damit auch politischer Druck auf die Bundesregierung aufgebaut. Die Debatte über die Lieferung bestimmter Waffensysteme zeigt überdeutlich die Absicht vieler Medien, selbst Politik zu machen. Es mag sein, dass mein Unbehagen über diese Entwicklung eine Folge meines langjährigen Dienstes in der Nato ist, unter anderem als Vorsitzender des Nato-Russland-Rats und der Nato-Ukraine-Kommission der Generalstabschefs. Besonders ärgerlich finde ich, dass die deutschen Sicherheitsinteressen und die Gefahren für unser Land durch eine Ausweitung und Eskalation des Krieges so wenig beachtet werden. Das zeugt von einem Mangel an Verantwortungsbewusstsein oder, um einen altmodischen Begriff zu verwenden, von einer höchst unpatriotischen Haltung. In den Vereinigten Staaten, einem der beiden Hauptakteure in diesem Konflikt, ist der Umgang mit dem Ukrainekrieg wesentlich differenzierter und kontroverser, gleichwohl aber immer von nationalen Interessen geleitet.

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Deutschland und die Frage von Schuld und Sühne gegenüber Russland

Von Rainer Rupp

Welche Schuld hat sich Russland nach dem Zweiten Weltkrieg gegenüber Deutschland und auch gegenüber Japan aufgeladen, dass die Eliten der beiden Staaten aktuell in puncto Treueschwüre und Untergebenheitsgesten gegenüber Washington sich zu übertreffen versuchen? Zu diesem Thema hat der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew jüngst einige interessante Bemerkungen gemacht.

Laut Dmitri Medwedew hat der Premierminister von Japan jüngst das Gedenken an die Opfer von Hiroshima und Nagasaki verraten, indem er in einer öffentlichen Rede anlässlich eines Treffens mit hochrangigen US-Vertretern gesagt hatte, dass er die Verwendung von Atomwaffen seitens Russlands in der Ukraine für möglich halte. Wörtlich heißt es in der Replik Medwedews, der aktuell das hohe Amt des stellvertretenden Leiters des Sicherheitsrates der Russischen Föderation bekleidet:

“In seiner Ekstase von Demütigung und Treueergebenheit redet der japanische Regierungschef wirres Zeug über Russland und begeht dabei Verrat an das Gedenken an Hunderttausende Japaner, die in den atomaren Flammen in Hiroshima und Nagasaki starben. In seiner Heuchelei ignoriert Kishida vollkommen die Tatsache, dass das einzige Land, das Atomwaffen wirklich eingesetzt hat, gerade die USA waren. Und das einzige Opfer war Japan, sein eigenes Heimatland.”

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Ein Deutscher namens “Mischa” Wolf – in Russland unvergessen

Am 19. Januar wäre der legendäre Antifaschist und Spionageprofi Markus Wolf 100 Jahre alt geworden.
Siehe hier: https://meinungsfreiheit.rtde.life/international/160245-deutscher-namens-mischa-markus-wolf/

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1993 wurde Markus Wolf vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu sechs Jahren Haft wegen “Landesverrats” verurteilt. Das Urteil wurde im Oktober 1995 vom Bundesgerichtshof aufgehoben. Wie konnte er auch “Landesverrat” begehen, hatte er doch im Auftrag seines Landes, des souveränen Staates DDR gehandelt.

Oberlandesgericht Düsseldorf am 6. Dezember 1993
Schlusswort von Markus Wolf:

Am 4.Mai, nach der Eröffnung dieses Prozesses sagte ich, das Gericht könne aus meiner Sicht noch am selben Tag sein Urteil sprechen. Die Ablehnung der zuvor gestellten Anträge der Verteidiger und ihre Begründung durch den Senat präjudizierten bereits meine Verurteilung. Der gesamte weitere Prozeßverlauf hat dies bestätigt.

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