..bei anderen gelesen:
Das menschliche Denken ist ein eigenartiges Ding. Es wächst und gedeiht nicht dort, wo man ihm zustimmt und applaudiert, sondern dort, wo ihm Widerspruch entgegentritt. Eine lebendige geistige Landschaft braucht also nicht nur Vielfalt, sondern auch Konflikt.
von Dagmar Henn
Wenn man sich wundert, wie die bundesdeutsche Presselandschaft auf eine gleichförmige Gesinnung mit einem Vernunftgrad knapp über der Idiotie absinken konnte und den ästhetischen Charme einer schnurgerade ausgerichteten Fichtenmonokultur absondert, kommt man nicht umhin, einen Blick auf die akademischen Institutionen zu werfen, die ihr die Beschäftigten zuliefern. Wenn Der Spiegel, bei dem selbst der Pförtner mindestens Abitur braucht, mal aus Versehen Auschwitz durch die Amerikaner befreien lässt, ist das nur ein Anzeichen einer größeren Verheerung.
Dreimal wurden in einem Jahrhundert ganze geistige Traditionslinien aus dem universitären Apparat getilgt. Die Wirtschaftswissenschaften haben nicht nur Marx, sondern selbst Keynes verloren und haben sich in eine öde Spielwiese der Chicago Boys verwandelt. Die Sozialwissenschaften frönen einem Idealismus, als sei seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts nichts geschehen. Kein Protest ist mehr zu hören, es regt sich kein Widerstand, alles ist blank gewienert und gewischt. Selbst in den USA gibt es mehr marxistische Wissenschaftler an den Universitäten als in Marxens Geburtsland.
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