Der überfallartige Angriff Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion war zweifellos heimtückisch geplant. Dennoch war die Sowjetführung über die Angriffspläne informiert: Mehrere Spione – auch in Berlin – haben Stalin sogar den Tag des Angriffs gemeldet.
von Wladislaw Sankin
Zu Beginn der 1940er Jahre verfügte der sowjetische Geheimdienst über drei besonders wertvolle Aufklärer in Nazi-Deutschland. Sie operierten unter den Decknamen “Hauptmann”, “Korsikaner” und “Breitenbach”.
Das erste Pseudonym war Harro Schulze-Boysen zuzuordnen. Er war nur Leutnant bei der Luftwaffe, hatte aber Zugang zu einem der mächtigsten Nazi-Größen, zu Reichsmarschall Hermann Göring. Unter dem Pseudonym “Korsikaner” stand der Antifaschist Arvid Harnack als Berater des Wirtschaftsministeriums mit Schulze-Boysen in Verbindung.
Das Pseudonym “Breitenbach” trug der Kriminalkommissar und spätere Gestapo-Offizier Willy Lehmann, der in der Spionageabwehr tätig war und so auch über Rüstungsunternehmen Informationen erhielt. Dies ermöglichte ihm, den sowjetischen Geheimdienst mit zahlreichen Informationen auch über deutsche Rüstungsvorhaben zu versorgen.
Alle drei Agenten berichteten ihren jeweiligen Verbindungsleuten in der ersten Hälfe des Jahres 1941, dass der Angriff gegen die Sowjetunion unmittelbar bevorstünde. Am 28. Mai 1941 berichtete “Breitenbach”, dass auch seine Gestapo-Abteilung auf einen 24-Stunden-Dienst in den zu überwachenden Betrieben umgestellt wurde, was von außergewöhnlichen Ereignissen in allernächster Zeit zeugte. Am 16. Juni berichteten “Hauptmann” und “Korsikaner”, dass der Krieg “jede Minute” beginnen könne, und mit dieser Nachricht wurden sogar vorrangige Ziele für den Angriff deutscher Flugzeuge mitgeteilt.
Continue reading ‘Der Nazi-Überfall auf die UdSSR: Glaubte Stalin seinen Aufklärern nicht, warum?’ »