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Der BND will einen Topspion in der DDR-Führung gehabt haben — die „Welt am Sonntag“ macht aus der Legende ein historisches Faktum.
von Frank Schumann
Von lieb gewordenen Vor- und Fehlurteilen trennen wir uns nur ungern. Es ist zum Beispiel in der offiziellen westdeutschen Geschichtsschreibung üblich, zu behaupten, die damalige DDR-Führung habe keinen Anteil am friedlichen Verlauf der „Wende“ gehabt. Dies sei allein das Verdienst der Menschen und allenfalls noch von Michail Gorbatschow gewesen. In ähnlicher Weise überschätzen sich westdeutsche Institutionen chronisch selbst und versuchen, ihr Wirken in heroischen Erzählungen zu überhöhen. Gelegentliche Versuche, das Image des Nachrichtendienstes mit positiven Meldungen aufzupolieren, hatten und haben bisweilen diesen Nebeneffekt. Unabsichtlich oder gewollt begründen sie Geschichtslegenden und -lügen und verfälschen damit die Beschreibung der Vergangenheit, wie nachfolgende Geschichte belegt.
Nicht erst auf der jüngsten Berlinale wurde mit der Agentensatire „Curveball“ der Bundesnachrichtendienst der Lächerlichkeit preisgegeben. Der BND ging bekanntlich aus der „Organisation Gehlen“ hervor und diese wiederum aus der Nazispionagetruppe „Fremde Heere Ost“. Geburtshelfer und Förderer der Organisation Gehlen waren die Nachrichtendienste in den USA. Und später im Kalten Krieg und danach wurden die westdeutschen Schlapphüte benötigt, auch wenn sie sich als Schlappschwänze erwiesen und immer wieder blamierten. Gemeinsam mit der CIA, so wurde im Februar 2020 publik, hatte der BND jahrzehntelang mehr als hundert Staaten ausspioniert, darunter auch NATO-Partner. Die profitable Operation, die Millionen in Schwarze Kassen des BND spülte, hieß übrigens Rubikon.
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